Wirtschaft : UMTS-Auktion in Italien: Rom will Schadensersatz von UMTS-Bieter Blu

Werner Raith

Nach dem vorzeitigen Ende der UMTS-Auktion in Italien will die italienische Regierung Schadenersatz von dem Bieterkonsortium Blu fordern. Der Ausstieg von Blu hatte am Montag zu einem überraschenden Ende der Versteigerung nach nur zwei Tagen geführt und damit die Hoffnung der italienischen Regierung auf Erlöse von über 50 Milliarden Mark zunichte gemacht. Die Regierung kündigte am Dienstag an, sie wolle die von Blu hinterlegte Garantiesumme von 1,7 Milliarden Dollar (rund 3,97 Milliarden Mark) einbehalten und darüber hinaus Schadenersatz verlangen.

Der Auktionserlös war nach dem vorzeitigen Ende mit 11,6 Milliarden Dollar nur etwa halb so hoch wie erwartet ausgefallen. Mit dem Ausstieg habe Blu, dessen größte Anteilseigner Autostrade und die British Telecommunications sind, gegen die Regeln des Verfahrens verstoßen, argumentierte die italienische Regierung. Blu kündigte in einer Mitteilung Schritte zur Verteidigung an. Bei der Auktion hatten bis zum Ausstieg von Blu sechs Unternehmen beziehungsweise Konsortien für fünf Lizenzen geboten.

Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rom wegen Manipulation im Versteigerungsablauf. Gerüchten zufolge sollen die fünf "Sieger" - die verbliebenen Bieter Tim, Omnitel, Wind, Andala und Ipse 2000 - der Firma Blu für den Fall, dass sie mit ihrem Rückzug die Ersteigerungspreise niedrig hält, ansehnliche "Zuwendungen" versprochen haben - was Blu sehr gut brauchen könnte, weil deren zweitgrößter Teilhaber, British Telecom, derzeit offenbar in argen Liquiditätsschwierigkeiten steckt und der größte Aktionär, Benetton, seinerseits seine Anteile am liebsten verkaufen würde. Verdächtig still hält sich dabei Oppositionsführer Silvio Berlusconi - und das wohl nicht zufällig. Denn der Medienzar ist drittgrößter Teilhaber von Blu. Und abgesehen davon, dass die Linke ihm nun vorwirft, er habe die Regierung vorführen wollen und sei daher für die Mindereinnahmen des Staates aus dem UMTS-Geschäft mit verantwortlich, nutzt der "Kanzlerkandidat" der Mitte-Links-Koalition, Francesco Rutelli, Berlusconis Teilhaberschaft kräftig zum Hinweis auf den "ewigen Interessenskonflikt" des Fernseh-Moguls: "Man stelle sich vor, der Mann wird Regierungschef und muss entscheiden, ob sich seine Firma aus einer staatlichen Ausschreibung zurückzieht oder nicht." Die Partie steht "somit 1:1", schreibt "la Repubblica".

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