Wirtschaft : UMTS-Auktion: Mobile Kapazität und Marktanteile (Kommentar)

Corinna Visser

Langsam wird es unheimlich in Mainz. Die Beteiligten leben im Milliardenrausch. Sechs Unternehmen und Konsortien überbieten sich in der UMTS-Versteigerung Runde um Runde. Dabei wäre das gar nicht nötig. Theoretisch könnten nach dem Ausstieg von Debitel alle sechs Bieter eine Lizenz bekommen. Alle würden dann mit einem gleichwertigen Frequenzangebot an den UMTS-Start gehen. Die Versteigerung wäre sofort beendet; die Lizenzen gingen auf dem jetzt schon hohen Niveau an ihre Besitzer. In einem zweiten Versteigerungsabschnitt könnten Unternehmen, die tatsächlich mehr Kapazität beanspruchen, noch zusätzliche Frequenzpakete ersteigern. Warum belassen sie es also nicht dabei? Weil die Bieter eine andere Strategie verfolgen. Es geht ihnen nicht nur darum, sich mehr mobile Kapazität zu sichern. Und das Design der Auktion gibt den Akteuren die Macht, über die Zahl der Lizenzen selbst zu bestimmen. Sie können entscheiden, wer in den Markt hineinkommt und wer nicht: Vier Unternehmen können so lange weiterbieten, bis den übrigen die Luft ausgeht. Denn jetzt geht es nicht nur um Technologie, es geht auch um Marktanteile. Es lebt sich einfach komfortabler, wenn man nur drei statt fünf Wettbewerber auf einem Markt hat. Märkte lassen sich leichter aufteilen, Preise besser abstimmen. Die Verlockung ist also hoch, der Preis dafür wird es auch sein. Und eine Garantie, dass die Marktaufteilung wie gewünscht gelingt, gibt es nicht. Wenn alle hart bleiben, wenn niemand aussteigen will, dann werden die Lizenzen immer teurer, an ihrer Zahl ändert sich hingegen nichts. Das Problem: Keiner will nachgeben. Denn wer als erster aussteigt, hat eben verloren.

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