Wirtschaft : UMTS-Auktion: Versteigerung löst keinen Kaufrausch aus

Auch nach dem vierten Versteigerungstag am Donnerstag zeichnet sich bei der deutschen UMTS-Auktion ein Verlauf wie vor einigen Wochen in den Niederlanden ab. Dort hatte die Regierung mit 5,2 Milliarden Mark nur knapp ein Drittel des erhofften Betrages eingenommen. Ein Kaufrausch wie bei der britischen Versteigerung im Frühjahr, als umgerechnet 70 Milliarden Mark gezahlt wurden, ist nicht zu erwarten. In den Aktienkursen seien Lizenzpreise zwischen 60 bis 80 Milliarden Mark enthalten, meinen Analysten. "Wenn in Deutschland die Gesamtsumme unter 60 Milliarden Mark bleibt, werden die Telekomfirmen insgesamt profitieren", sagt Robert Vinall von der DG Bank.

Bankexperten halten die Aktien der beteiligten Netzbetreiber mit Blick auf das Auktionsverfahren überwiegend für fair bewertet. Am besten positioniert seien Anbieter mit eigenem Netz und größerer Kundenbasis im Mobilfunkmarkt wie Deutsche Telekom und Vodafone-Airtouch. Mehrheitlich wird erwartet, dass fünf neue Mobilfunklizenzen vergeben werden. Dabei dürften T-Mobil und Mannesmann Mobil je drei Frequenzblöcke für jeweils insgesamt 16 bis 20 Milliarden Mark ersteigern, sagt Carsten Römheld von der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig. Ferner kämen E-Plus, Viag Interkom und Mobilcom zum Zuge.

Wenn überraschend nur knapp 40 Milliarden Mark ausgegeben werden müssten, beflügele dies die Kurse der Netzbetreiber, sagt Ralf Oberbannscheidt vom Deutsche-Bank-Fondshaus DWS. Je billiger die Lizenzen, desto schneller könnten Betreiber mit dem Ausbau der Infrastruktur beginnen, ergänzt Frank Heise von Union Investment. Für Verbraucher bedeute dies geringere Grundgebühren.

Deutsche Telekom: Die Deutsche Telekom ist mit ihrer Tochter T-Mobil bei der Versteigerung der Lizenzen am Start. Mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent belegt T-Mobil knapp hinter Mannesmann den zweiten Platz im deutschen Mobilfunkgeschäft. Doch das reicht Telekom-Chef Ron Sommer nicht: Er möchte den Ex-Monopolisten in Europa zur Nummer eins machen. Doch Telekom-Aktionäre sind sensibel. Das hat der Kurssrutsch nach Ankündigung der teuren Übernahme des US-Anbieters Voicestream gezeigt. Sollten die Lizenzen mehr als erwartet kosten, könnte die T-Aktie nochmals unter Druck geraten.

Telefónica: Wirbel gab es in den letzten Tagen um die Neubesetzung der Spitze des spanischen Telekomkonzerns Telefónica. Jetzt führt der frühere Aktienhändler Cesar Alierta den mit rund 100 000 Mitarbeitern in 25 Ländern vertretenen Telekommunikationsriesen. Vor allem in die Wachstumsmärkte Lateinamerikas hat Telefónica in den letzten Jahren investiert. Fast alle Analysten empfehlen den Titel mit "buy" oder sogar "strong buy" zum Kauf. Trotzdem gilt die spanische Telefonfirma für Analyst Franz Rudolf von der Hypo-Vereinsbank nicht als Favorit des UMTS-Karussells in Deutschland.

Vodafone-Airtouch: Die britische Vodafone Airtouch gilt als ein Unternehmen, dass bei der UMTS-Auktion in der vordersten Reihe stehen muss, um den Aufbau seines weltweiten Mobilfunknetzes voranbringen zu können. Durch die Übernahme von Mannesmann verfügt Vodafone bereits über eine starke Basis von Mobilfunkkunden in Deutschland. Ein weiteres Plus für Vodafone sind die gefüllten Kassen des Unternehmens. Der Verkauf von Orange an France Télécom für 43 Milliarden Euro sowie die Veräußerung verschiedener Geschäftsfelder von Mannesmann hat Vodafone ein solides finanzielles Polster verschafft. Analysten sehen die Aktie sehr positiv.

Mobilcom: Seit Mobilcom vor über drei Jahren am Neuen Markt startete, bescherte das Unternehmen seinen Aktionären traumhafte Renditen. Es ist auf Seiten der Telekomgesellschaft wie auch unter ihren Anteilseignern inzwischen ein Generationenwechsel vonstatten gegangen. Mobilcom hat den Weg vom Emporkömmling hin zur ernst zu nehmenden Nummer unter den Telekomgrößen geschafft. Und unter seinen Aktionären dominieren inzwischen diejenigen, die an einer langfristigen Rendite interessiert sind. Die Aktionäre setzen große Hoffnungen auf das UMTS-Geschäft, da sie das Betreiben eines eigenen Netzes für viel lukrativer halten als den Wiederverkauf gemieteter Leitungskapazität.

Swisscom: Wer im Oktober 1998 Aktien des früheren Telekom-Monopolisten Swisscom AG zu 340 Franken gezeichnet hat, kann sich darüber ärgern, dass er nicht rechtzeitig ausgestiegen ist: Anfang 2000 wurde mit 754 Franken mehr als das Doppelte für die Aktie gezahlt. Seit Wochen geht es nun bergab. Die Bank Julius Bär prognostiziert für 2000 einen Anstieg des Gewinns pro Aktie auf 35,80 Franken, doch für 2001 wird ein Rückgang auf 16,50 Franken vorausgesagt. Außerdem hat Swisscom ein Handicap: Im Gesetz ist (noch) eine Mehrheitsbeteiligung des Staates festgeschrieben, was den Handlungsspielraum einschränkt. Für Herbst 2000 ist der Börsengang der Internettochter Bluwin geplant.

KPN: Die niederländische Telefongesellschaft KPN hat ihre wichtigste UMTS-Lizenz schon in der Tasche. Für rund 700 Millionen Euro weniger als erwartet, sicherte sich das Unternehmen eine Lizenz für den Heimatmarkt. Dennoch bleibt der Kapitalbedarf groß: Für rund zehn Milliarden Euro will KPN im vierten Quartal Aktien und neue Wandelanleihen in Europa und den USA platzieren. Mit diesen Mitteln soll die europäische Expansion im UMTS-Geschäft finanziert werden. Abgesehen haben es die Niederländer dabei auf den deutschen Markt. Um das finanzielle Risiko in Grenzen zu halten, hat sich KPN mit den asiatischen Gesellschaften NTT Domoco und Hutchinson zusammengeschlossen.

British Telecom: Der Aktienkurs von British Telecom wird sich bei einer erfolgreichen UMTS-Auktion kaum bewegen. Richard Jagger von der Prudential Bache geht von einem Auktionsergebnis aus, das den britischen Preis um rund 20 Prozent unterbietet. Damit dürfte auch British Telecom, die in einem Konsortium mit der norwegischen Telenor und dem Energiekonzern Eon bietet, bei einem Zuschlag deutlich weniger als die rund vier Milliarden Pfund in ihrem Heimatmarkt zahlen. Das Unternehmen ist trotz des sinkenden Aktienkurses nach wie vor ein starker Mitspieler. Ein Zusammengehen mit Telefónica, wie am Markt spekuliert wird, könnte dem Aktienkurs auf die Sprünge helfen, sagt Analyst Jagger.

France Télécom: Für France Télécom hängt viel vom Ausgang der deutschen UMTS-Auktion ab. Das Unternehmen strebt in allen wichtigen Märkten Europas eine Präsenz mit der neuen Mobilfunkttechnik an. In Frankreich, Großbritannien und in Italien ist das dem Unternehmen, das zu 54 Prozent in Staatsbesitz ist, weitgehend sicher. Vom deutschen Markt ausgespart zu bleiben, wäre ein harter Rückschlag. Das gilt vor allem deshalb, weil die UMTS-Lizenzen mit Chance, Kosten und Risiken nach Meinung vieler Beobachter in den Kurs der France Télécom-Aktie bereits eingepreist sind.

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