Wirtschaft : UMTS-Auktion: Wie die Unternehmen den hohen Preis der Lizenzen finanzieren

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In Mainz nähern sich die Telekomkonzerne mit ihren Geboten den kühnsten Erwartungen der Marktbeobachter. Rund 75 Milliarden Mark sind für die neuen Multimedia-Mobilfunklizenzen schon zusammengekommen. Noch ist der letzte Hammer nicht gefallen. Doch wenn es soweit ist, dann kommt sehr bald der Zahltag. Wer eine UMTS-Lizenz ersteigert hat, muss innerhalb von zehn Werktagen den vollen Betrag auf ein von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post bestimmtes Konto überweisen. Die Kaution, die bereits vor Beginn der Versteigerung zu leisten war, wird angerechnet. Das waren allerdings nur 20 Millionen Mark. Bleibt also ein beträchtlicher Betrag übrig, den die Unternehmen noch finanzieren müssen.

Vier Finanzierungsmöglichkeiten haben die Unternehmen: Ein Teil der Lizenzkosten kann über Bankkredite finanziert werden, wofür die Unternehmen nicht nur ein Institut in Anspruch nehmen, die Banken bilden Kreditkonsortien. Ein Unternehmen wie Mobilcom profitiere zum Beispiel bei der Kreditaufnahme von der Bonität des Partners France Télécom, sagt Analyst Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin. Ein weiterer Teil des Finanzbedarfs lässt sich über Anleihen decken. Starke Partner in den Konsortien können Teile der Rechnung auch bar bezahlen. France Télécom, Telefónica oder auch die Deutsche Telekom verkaufen immer wieder Unternehmensteile oder bringen sie an die Börse und füllen damit auch ihre Kassen. Der Verkauf von Anteilen am Kabelnetz ist zum Beispiel für die Telekom so eine Einnahmequelle. Langfristig können sich die Unternehmen über eine Kapitalerhöhung frisches Kapital besorgen.

Die Deutsche Telekom hat gerade erst eine Anleihe über knapp 30 Milliarden Mark ausgegeben. Allerdings sei die Anleihe nicht für einen bestimmten Zweck - wie etwa den Erwerb der UMTS-Lizenzen - bestimmt, heißt es bei der Telekom. Weitere nennenswerte Anleihen hat die Telekom noch nicht angekündigt. Ähnlich große Projekte wie der Aufbau von UMTS-Netzen, würden im Konzern in der Regel zu 40 bis 60 Prozent mit Fremdkapital, über Kredite und Anleihen, finanziert, sagt ein Telekom-Sprecher.

Der Anleihenmarkt hat den steigenden Finanzierungsbedarf bereits vorweggenommen. Zu Beginn, während des zaghaften Starts der Auktion, habe sich die Renditedifferenz zwischen Staatspapieren und Unternehmensanleihen verringert. Im Laufe der Auktion ist sie wieder gestiegen, sagt Maria Klein, Leiterin Zins- und Währungsstrategie bei der Bankgesellschaft. Für Florian Straßberger, Leiter des Branchenzentrums der DG Bank, bewegen sich die Beträge, die bisher von den Telekommunikationsunternehmen geboten wurden, durchaus noch im "grünen Bereich". Er rechnet derzeit nicht mit steigenden Spreads, also den Zinssätzen, die die Unternehmen an die Anleger zahlen müssten, sollten sie das notwendige Geld auf den Kapitalmärkten über Anleihen aufnehmen wollen. Erst wenn Summen von 80 oder gar 90 Milliarden Mark erreicht würden, dürfte dies die Kapitalmärkte verunsichern und dann auch zu steigenden Zinsen bei Unternehmensanleihen führen.

Axel Siedenberg, Leiter Volkswirtschaft der DB Research spitzt seine Aussage zu. Die Entwicklung der Zinsen bei den öffentlichen Anleihen spiegele eine günstigere Entwicklung an den Kapitalmärkten vor, als sie in Wirklichkeit bestehe. Dies gelte schon seit längerem in den USA und in Zukunft auch in Euroland. Während der Staat seine Zinsen senken könne, müssten die Unternehmen für ihre Anleihen höhere Zinsen zahlen. Die Durchschnittsrendite öffentlicher Anleihen, die gerne als Kennzahl verwendet wird, sei immer weniger aussagekräftig für den Gesamtmarkt, so Siedenberg.

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