Wirtschaft : UMTS: Der Leidensdruck wächst

Maurice Shahd

Die technikverliebten Japaner sind begeistert. Trotz mehrfacher Verschiebung aufgrund technischer Probleme beim Start des weltweit ersten UMTS-Netzes in Tokio stürmten Mobilfunkfans die Geschäfte, um eines der wenigen UMTS-Handys zu ergattern. Die Reaktion der Kunden zeigt, welches Potenzial die neue Technik hat. In Europa jedoch sind die Aussichten für einen Erfolg von UMTS moderater: Weil weder UMTS-Frequenzen noch die Handys der dritten Generation pünktlich kommen, werden Interessenten immer wieder verprellt. In Deutschland werden die ersten UMTS-Angebote frühestens Mitte 2002 auf den Markt kommen. Realistischer ist der Start im Jahr 2003.

Außerdem haben die Europäer anders als die Japaner bisher keine erfolgreichen Vorläufertechniken zu Stande gebracht: Während in Japan kostengünstige I-Mode-Handys einen Riesenerfolg landeten und die Kunden auf UMTS vorbereiteten, fristen die europäischen WAP- und GPRS-Angebote ein Schattendasein. Die Hersteller von Handys und Telekommunikationsausrüstungen in Europa müssen noch eine lange Durststrecke überstehen. Das schwierige Marktumfeld zwingt die Unternehmen zu Kooperationen. Die Gespräche von Siemens und Motorola deuten darauf hin, dass es zu einer weiteren Konsolidierung der Branche kommt. Die Netzwerksparte und die Handy-Produktion beider Unternehmen stehen auf dem Prüfstand. Durch eine Zusammenarbeit könnten die Unternehmen die Kosten senken. Die Absatzmärkte bei Handys würden sich ergänzen: Während Motorola in Nordamerika stark ist, hat Siemens sein Hauptgeschäft in Europa. Wenn es tatsächlich zu der Kooperation kommt, zeigt das auch, wie groß der Leidensdruck der UMTS-Herstellerfirmen inzwischen ist.

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