Wirtschaft : UMTS: Für Lizenzen zahlt die italienische Regierung selbst

Werner Raith

Es ist, als würde ein neuer Papst gewählt: Seit Tagen haben sich Italiens Zeitungen mit Erwartungen an den gestrigen Beginn der Versteigerungen der fünf Lizenzen für das Universal Mobile Telecomunications System, kurz UMTS, überboten. Ein Wirtschaftsfachmann im staatlichen Rundfunk RAI hat aufgrund der Aktienkurse sogar die den einzelnen Teilnehmern zur Verfügung stehenden Finanzmittel ausgerechnet und daraus abgeleitet, wie hoch die einzelnen bieten können, ohne sich zu übernehmen.

Sehr viel Spielraum scheinen danach alle nicht zu haben, weit entfernt von den gigantischen Offerten bei der Versteigerung in Deutschland. Dass der Appetit auf die UMTS-Lizenzen kräftig ist und so manchen auch zum Hazardspiel verleiten könnte, bestreitet indes niemand - mit 34 Millionen Handys bei 54 Millionen Einwohnern (Deutschland: 26 Millionen bei 81 Millionen Einwohnern) verspricht Italien der lukrativste europäische UMTS-Markt zu werden.

Am Donnerstag vormittag sollte nun die Versteigerung beginnen. Doch Italien wäre nicht Italien, würde nicht noch vorher eine Art kriminalistisches Zitterstück vorgeschaltet: Einer der sechs Bieter, BLU, hat am Mittwoch, 24 Stunden vor Versteigerungsbeginn, Probleme mit einem seiner Aktionäre eingestanden: British Telecom, mit 20 Prozent an BLU beteiligt, macht Ärger, weil nicht klar ist, ob die englische Holding eines Tages die Erlaubnis zum Totalerwerb der Firma bekommen kann. Der Aufsichtrat von BLU tagte, der Vorstand haute sich die Nacht um die Ohren, am Vormittag bleibt den Versteigerungsleitern nur übrig, den Beginn der Auktion auf 14 Uhr zu verschieben, und nur 17 Minuten vor diesem Termin kommt von den Hauptaktionären der Sozietät dann das O.K. zur Teilnahme. Mit BLU bieten Omnitel, Tim, Wind, Andala und Ipse 2000. Vorher ausgeschieden sind bereits Matera, dem mangelnde Erfahrung im Handy-Geschäft zum Verhängnis wurde, und TU-Mobile, das sich freiwillig zurückgezogen hat.

Doch auch um 14 Uhr tat sich gestern noch nichts: Es wurde weiter verschoben. Die Auslosung, wer das erste Gebot abgeben muss, erfolgte nicht etwa einfach, indem jemand in einen Hut mit den Namen griff, sondern indem in fünf Einzelziehungen festgestellt wurde, wer sich zuerst offenbaren muss. Eine Versteigerungsrunde dauert mindestens 15, höchstens 120 Minuten, dann ist Pause, und um 18 Uhr ist jeweils Feierabend. Fest steht am Anfang nur so viel: Es geht bei umgerechnet vier Milliarden Mark pro Lizenz los; die musste jeder, der bietet, schon mal hinterlegen. Daraus läßt sich errechnen, dass der Staat zumindest zwanzig Milliarden Mark kassieren wird. Das wäre für den Schatzminister Vicenzo Visco auch schon ein ansehnlicher Batzen, selbst wenn die Angebote am Ende nicht wesentlich höher liegen würden und einer der Teilnehmer schon bald aussteigt, die Versteigerung damit beendet sein sollte (pro Turnus muss um mindestens fünf, kann um maximal 50 Prozent zum vorigen Angebot hochgezogen werden) - wenn, ja wenn das Ganze nicht gerade an dieser Stelle zur Farce würde. Denn bei dreien der Anbieter - Tim, Wind und BLU ist der italienische Staat Mit- oder gar Hauptaktionär. Im Klartext ausgerechnet: Bekommen die drei Bieter jeweils eine Lizenz, so zahlt der Staat fast 40 Prozent der UMTS-Gebühren selbst.

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