Wirtschaft : UMTS-Lizenz: T-Mobile Chef Ricke im Interview

Herr Ricke[7 Milliarden Mark f&uum],T-Mobil hat 16[7 Milliarden Mark f&uum]

Kai-Uwe Ricke ist Vorstandsvorsitzender der T-Mobile International AG. In der Holding bündelt die Deutsche Telekom ihre Mobilfunkaktivitäten. Ricke, Jahrgang 1961, war bis 1997 Vorsitzender der Geschäftsführung der Talkline GmbH, bevor er 1998 zu T-Mobil wechselte. Den Vorstandsvorsitz der T-Mobile übernahm er im Februar.

Herr Ricke, T-Mobil hat 16,7 Milliarden Mark für eine UMTS-Lizenz in Deutschland bezahlt. Warum ist UMTS so viel wert?

All das, was heute im Festnetz möglich ist - und mehr - wird künftig mobil, global, rund um die Uhr und unmittelbar abrufbar. Mit UMTS wird die nächste Stufe in der Revolution zur Informationsgesellschaft erreicht.

Wie sehen die konkreten Produkte und Dienstleistungen im UMTS-Netz aus?

Das geht vom Zugang zum Internet über den Zugang zu Firmennetzen, personalisierten und lokalisierten Informationen bis hin zu Videokonferenzen, Einkaufs- und Unterhaltungsangeboten. Wir haben vier Trümpfe in der Hand: Wir wissen, wo der Kunde ist, wir wissen, wie kreditwürdig er ist, wir haben seine Identität und machen ihn mobil. Um diese Themen herum können wir eine Palette von Diensten stricken. Die werden wir nicht alle selbst entwickeln. Der Erfolg des Modells wird darin bestehen, dass andere Anbieter unsere Plattform nutzen, um ihre Produkte an unsere Kunden zu bringen.

Wie werden Sie Geld verdienen?

Es wird verschiedene Einnahmequellen geben. Die Einnahmen aus dem Sprachverkehr werden rückläufig sein. Dafür werden die Kunden verstärkt Daten versenden - angefangen bei den E-Mails. Darüber hinaus erwarten wir, im Jahr 2010 zwischen 20 und 25 Prozent der Einnahmen mit Provisionen zu erzielen, wenn wir Dienstleistern unseren Kundenstamm als Vertriebskanal zur Verfügung stellen.

Werden sich die Kunden UMTS überhaupt leisten können?

Ich denke nicht, dass die Preise steigen werden, weil die Kosten für die UMTS-Lizenzen und den Netzaufbau so hoch sind. Im Gegenteil, der Preisdruck wird wegen der hohen Investitionen eher zunehmen. Wir reden über Verdrängungswettbewerb.

Mit wie vielen Kunden rechnen Sie?

Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2010 mit mindestens 25 Millionen Anschlüssen einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent haben werden. Pro Kunde erwarten wir zu diesem Zeitpunkt einen Umsatz von 60 Euro.

Wann werden Sie mit UMTS die Gewinnzone erreichen?

Aus unserer Sicht ist UMTS die Weiterentwicklung unseres bisherigen Geschäfts, den Kundenstamm haben wir ja schon. Und wir sind bereits ein profitables Unternehmen. Wir bezahlen einmalig 16,7 Milliarden Mark, der Rest sind Netzinvestitionen. Der Aufbau des UMTS-Netzes wird acht bis zwölf Milliarden Mark kosten.

Wann beginnt der Aufbau?

Wir nehmen gerade die Lieferanten unter die Lupe. Spätestens im Oktober werden wir uns auf einen oder mehrere präferierte Lieferanten festlegen. Unser Ziel ist, bereits im Jahr 2002 umfangreiche Tests durchzuführen und sehr frühzeitig im Jahr 2003 mit dem kommerziellen Betrieb zu beginnen.

Wird es in Deutschland tatsächlich sechs UMTS-Netzbetreiber geben?

Ich halte das auf lange Sicht für unwahrscheinlich.

Wo kauft T-Mobile weitere UMTS-Lizenzen?

Wir wollen uns jetzt auf Frankreich konzentrieren und die Länder, in denen wir bereits heute über Tochterunternehmen oder Beteiligungen präsent sind. Auch in Schweden haben wir uns gerade mit einem Konsortium beworben.

Warum wollen Sie unbedingt nach Frankreich und lassen Italien außen vor?

In Italien hätten wir der fünfte Betreiber werden können, in einem Markt der sehr weit entwickelt ist. In Frankreich geht es um den vierten Netzbetreiber, in einem Markt, der viel mehr Entwicklungschancen bietet.

Wann kommt T-Motion, die gemeinsame Tochter von T-Mobile und T-Online, auf den Markt?

In einem ersten Schritt, wird T-Motion sein Angebot in Deutschland, England und Österreich auf den Markt bringen. In Deutschland beginnen wir noch im September. Ein Schwerpunkt des Internet-Portals T-Motion werden Informationsangebote sein, die auf den aktuellen Aufenthaltsort des Kunden zugeschnitten sind.

UMTS tritt an die Stelle der GSM-Technik. Warum übernimmt T-Mobile trotzdem in den USA die GSM-Netzbetreiber Voicestream und Powertel?

GSM ist die Basis für die Weiterentwicklung. Die Bedingungen für UMTS sind in den USA gegenwärtig noch nicht geklärt. Es besteht also das Risiko, dass UMTS dort erst deutlich verzögert eingeführt wird. Aber mit GSM haben wir die Möglichkeit, eine einheitliche, hochmoderne Plattform zu installieren, die US-weit breitbandige Mobilfunkdienste anbietet. Bis UMTS in den USA kommt, können wir dort durchaus 20 Millionen Kunden gewinnen.

Planen Sie weitere Übernahmen in den USA?

Wir wollen weitere Frequenzen - zum Beispiel im Großraum Los Angeles - erwerben.

Wegen der Voicestream-Übernahme haben Sie den Börsengang verschoben. Wann geht T-Mobile an die Börse?

So schnell wie es der Abschluss der Voicestream-Transaktion erlaubt. Ich gehe davon aus, dass wir sie in der ersten Jahreshälfte 2001 abschließen können.

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