Wirtschaft : UMTS-Lizenzen: In Europa stehen weitere Auktionen bevor

Corinna Visser

Mit der Vergabe der UMTS-Lizenzen in Deutschland stehen jetzt die Telekomkonzerne fest, die auf dem größten nationalen Markt Westeuropas agieren werden. Deutschland ist nach Finnland, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden das fünfte Land, in dem die Entscheidung bereits gefallen ist. Andere Länder werden folgen. Die EU beschloss im Dezember 1998, dass alle Mitgliedstaaten dafür sorgen müssen, dass die UMTS-Mobilfunkdienste spätestens zum 1. Januar 2002 eingeführt werden können. Die Staaten waren sich einig, dass die Nutzung der UMTS-Frequenzen harmonisiert werden muss. Aber die Verfahren zur Lizenzvergabe unterscheiden sich erheblich. Deutschland, Großbritannien oder Italien haben sich für ein Auktionsverfahren entschieden. Finnland, Spanien und Frankreich wählten ein Ausschreibungsverfahren, oft auch als "Schönheitswettbewerb" bezeichnet.

Telekom-Chef Ron Sommer gehört zu denen, die die unterschiedlichen Vergabeverfahren innerhalb Europas heftig kritisieren. Sein Argument: Während Unternehmen wie die spanische Telefónica oder France Télécom über Ausschreibungsverfahren in ihren Heimatländern bevorzugt und relativ günstig an die Lizenzen herankämen, müsse die Telekom die Konzession im eigenen Land teuer ersteigern. Telefónica und France Télécom könnten das in der Heimat eingesparte Geld zusätzlich einsetzen, um Lizenzen in anderen Ländern zu erwerben: Sie hätten nicht nur im eigenen Land, sondern auf europäischer Ebene einen Wettbewerbsvorteil.

In Spanien ging die Telekom im Schönheitswettbewerb leer aus, in Italien will sie nicht mehr antreten. Die Lizenz für die britische Tochter One-2-One hat in London zwölf Milliarden Mark gekostet. Hier zu Lande zahlt die Telekom jetzt 16,6 Milliarden Mark. Konkurrent Telefónica zahlt als Teil des Konsortiums 3G gemeinsam mit der finnischen Sonera 16,4 Milliarden Mark für eine Konzession in Deutschland, im eigenen Land mussten die Spanier nicht einmal 250 Millionen Mark aufbringen.

Gewinner der bisherigen Lizenzvergabe ist Vodafone - obwohl die Briten im Heimatland teuer bezahlen mussten: Die Lizenz mit dem größten Spektrum kostete Vodafone dort 18 Milliarden Mark. Über Tochtergesellschaften ist Vodafone in Deutschland (Mannesmann), den Niederlanden (Libertel) und Spanien am UMTS-Geschäft beteiligt, Eintrittskarten für Italien und Franreich sind Omnitel und Vivendi. Vodafone hat die Chance, in Europa ein flächendeckendes UMTS-Netz aufzubauen. Konkurrenz kommt von Hutchison Whampoa, die sich ins europäische Mobilfunkgeschäft einkaufen. In Deutschland hat sich der Mischkonzern aus Hongkong allerdings gerade wieder verabschiedet.

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