Wirtschaft : UMTS: Mobilfunkbetreiber wollen Netz gemeinsam nutzen

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Einige Mobilfunkanbieter wollen beim Aufbau der UMTS-Netze in Deutschland stärker zusammenarbeiten. Grund dafür sind die Milliardenkosten. "Jeden Tag drücken uns die Zinsen in Millionenhöhe", sagte Horst Lennertz, Mitglied der E-Plus-Geschäftsführung, am Donnerstag auf einer UMTS-Tagung in Berlin. Sowohl Matthias Kurth, Präsident der zuständigen Regulierungsbehörde, als auch Alfred Tacke, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, signalisierten daraufhin Gesprächsbereitschaft. Kritik kam von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid: "Wir sind komplett gegen eine UMTS-Einheitsautobahn." Er befürchtet sonst weniger Wettbewerb und schlechtere Angebote.

Ein eigenes Netz für jeden Mobilfunkanbieter wie im derzeitigen GMS-Standard sei zu teuer, führte Lennertz aus. Insgesamt sei dann die Errichtung von 60 000 Basisstationen nötig. Durch Kooperationen solle diese Zahl wenigsten halbiert werden. René Obermann, DeTeMobil-Geschäftsführer, schätzte die Kosten für die UMTS-Infrastruktur in Deutschland auf 25 bis 35 Milliarden Euro. Karl-Wilhelm Rohrsen, UMTS-Geschäftsführer bei Viag Interkom, betonte: "Es liegt im finanziellen Interesse der Mobilfunkanbieter, Zahl und Leistung der Basisstationen zu begrenzen."

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Regulierungsbehörde äußerten Verständnis für die Bestrebungen, die Kosten zu reduzieren. An den Lizenzbedingungen, die vor der Versteigerung der UMTS-Frequenzen im vergangenen Sommer festgelegt wurden, dürfe jedoch nicht gerüttelt werden. Ein echter Wettbewerb müsse sichergestellt werden. Die Bedingungen enthalten auch eine Pflicht zur "Netzfunktionsherrschaft" der einzelnen Betreiber.

Mobilcom-Gründer Schmid hielt dem Vorschlag einer engeren Kooperation entgegen: "Ohne eine Abgrenzung der Infrastruktur wird es schwierig sein, die Services der einzelnen Anbieter abzugrenzen." Insbesondere in Ballungszentren könne die gemeinsame Nutzung der Basisstationen zu langsameren Geschwindigkeiten und einer schlechteren Qualität führen. Es nütze nichts, "wenn wir 500 Millionen weniger investieren und dann nur 50 Kunden haben".

Die wachsenden Bedenken der Öffentlichkeit, die Strahlung der Stationen könne zu Gesundheitsschäden führen, werden von den Mobilfunkbetreibern ernst genommen. "Bisher ist keine Gefährdung wissenschaflich bewiesen", sagte Rohrsen. Die Grenzwerte für Elektrosmog würden eingehalten. An stark belebten Orten liege die Belastung lediglich bei einem Fünfhundertstel der zulässigen Höchstgrenze. Daher nahm Rohrsen auch die Politik in die Pflicht: "Sie muss auch für eine stärkere Akzeptanz von Basisstationen sorgen."

Insgesamt erwarten die Unternehmen, dass UMTS ein Erfolg wird. Viel verspreche man sich von Geschäftskunden, die sich dank der schnellen Übertragungsrate etwa in das Rechnernetz ihrer Firma mobil werden einwählen können. Mut mache der Erfolg des japanischen Angebots I-Mode, das farbig und lebendiger ist als das bisher beim Verbraucher ungeliebte Wap. Mit Einführung der GPRS-Technik in Europa, die einen Zwischenschritt zu UMTS darstellt, werde I-Mode auch nach Deutschland kommen. E-plus zum Beispiel plant, Anfang 2002 I-Mode auf den Markt zu bringen. Beklagt wurde die schlechte Stimmung in der Öffentlichkeit und bei Analysten, die den Optimismus des vergangenen Jahres abgelöst hat. Obermeier sagte: "UMTS ist eine Chance für Deutschland. Wir sollten sie wahrnehmen, anstatt sie zu zerreden." Seit 1996 habe sich die Zahl der Beschäftigten im Mobilfunk auf 35 000 mehr als verdoppelt. UMTS werde einen weiteren Schub bringen.

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