Wirtschaft : UMTS-Netzwerkaufbau: Ericsson baut für Mobilcom billiger als geplant

Mobilcom will als erste Telefongesellschaft in Deutschland ein UMTS-Netz auf die Beine stellen. Der schwedische Telekomausrüster Ericsson wird das Netz für die Büdelsdorfer Firma aufbauen. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid stellte den nach seinen Worten mit 1,6 Milliarden Euro größten Auftrag in der bisherigen deutschen Mobilfunkgeschichte am Freitag in Hamburg vor. Demnach hat Ericsson den Start des Mobilfunknetzes der dritten Generation für Mitte 2002 vertraglich zugesagt. Bei Verzögerungen fallen Vertragsstrafen an, die Schmid zufolge soweit gehen können, dass Mobilcom ab einer bestimmten Verspätung die gelieferte Technik nicht bezahlen muss. Im Zuge des UMTS-Netzwerkaufbaus will Mobilcom innerhalb von drei Jahren 1500 neue Arbeitsplätze schaffen. Gegenüber den ersten Kostenschätzungen für das UMTS-Mobilfunknetz habe Mobilcom eine Ersparnis von 686 Millionen Euro erreicht, sagte Schmid weiter. Mit 1,6 Milliarden Euro liege die Investition etwa 30 Prozent unter der Planung. Ferner finanziere Ericsson deutlich mehr als das für den Netzwerk-Aufbau vereinbarte Volumen. Dieser Lieferantenkredit von Ericsson belaufe sich auf 2,4 Milliarden Mark, rückzahlbar bis Ende 2003.

Beim Start der neuen Mobilfunkwelt im Jahr 2002 will Mobilcom nach Schmids Worten eine Netzwerkabdeckung von einem Fünftel erreichen. Ende 2003 sollen es deutlich über 40 Prozent sein. Den Netzwerkausbau will Mobilcom 2010 abgeschlossen haben, und dann über 90 Prozent der Handynutzer erreichen. Ericsson liefert Mobilcom den Angaben zufolge auch für die neue Technik nötige Handys.

Unterdessen ist der Börsenwert von Ericsson am Freitag um ein Fünftel gesunken. Grund sind schwächere Geschäftsaussichten für das vierte Quartal 2000. Der Branchenprimus im Netzwerkgeschäft legte in Stockholm zwar einen binnen Jahresfrist verdreifachten Neunmonats-Vorsteuergewinn in Höhe von 24,1 Milliarden Kronen (5,5 Milliarden Mark) vor. Aufgrund einer "sehr schwachen Entwicklung im vierten Quartal" würden Umsatz- und Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr aber gesenkt, hieß es. In der Mobilfunkgeräte-Sparte weist Ericsson mit 5,9 Milliarden Kronen einen um 500 Millionen Kronen höheren Verlust als erwartet auf. Im vierten Quartal sei zudem mit einem Preiswettbewerb bei neuen Handys zu rechnen. Ericsson schließt sich mit seiner Absatzwarnung dem US-Hersteller Motorola und der niederländischen Philips an, die ebenfalls vor einer sinkenden Handy-Nachfrage gewarnt hatten. Nokia dagegen spürt nach eigenen Angaben derzeit keinen Preiswettbewerb.

Ericsson prognostiziert nun trotz des hochprofitablen Netzwerk-Geschäfts ein etwas geringeres Umsatzwachstum von rund 25 Prozent und eine operative Gewinnmarge von sechs bis sieben Prozent. In den ersten neun Monaten hatte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 191,5 Milliarden Kronen zugelegt. Der Auftragseingang stieg ebenfalls um 35 Prozent. Der Verlust in der Mobilfunksparte werde bis zum Ende des Geschäftsjahres von derzeit 5,9 auf 16 Milliarden Kronen anwachsen und damit doppelt so hoch wie von Analysten erwartet ausfallen. Der Bereich Endverbraucher trägt etwa 20 Prozent zum Ericsson-Umsatz bei. Im Hauptgeschäft Netzwerke, das 80 Prozent zum Umsatz beisteuert, gab die Gewinnmarge auf 17 von zuvor 21 Prozent nach.

Ungeachtet der Defizite in der Handy-Sparte sollen Mobiltelefone bei Ericsson weiter zum Kerngeschäft zählen. In diesem Jahr will der weltweit drittgrößte Mobiltelefon-Hersteller 420 Millionen Handys absetzen, 2001 525 bis 575 Millionen Stück.

Auch Ericsson-Konkurrent Siemens hat einen milliardenschweren Großauftrag für die Lieferung von UMTS-Technik in Europa erhalten. Kurz nach dem Start der UMTS-Versteigerung in Italien verkündete der Elektrokonzern einen Rahmenvertrag mit dem italienischen Unternehmen Wind. Wenn der drittgrößte Mobilfunkbetreiber in Italien bei der Versteigerung eine der begehrten Lizenzen für die dritte Mobilfunkgeneration erhalte, werde Siemens Netzwerktechnik liefern, teilte die Siemens AG mit. Dabei soll der kommerzielle UMTS-Start bereits im Frühjahr 2002 erfolgen. Siemens werde nicht exklusiver Ausrüster sein.

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