Wirtschaft : UMTS-Versteigerung: Ein Wochenende und 13 Millionen (Kommentar)

Bernd Frank

Fast jeder schlampt mal ein bisschen. Dann wird die Rechnung an den Klempner eben ein paar Tage später überwiesen. Auch die öffentliche Hand, so klagt das Handwerk, nimmt es mit der Zahlungsmoral nicht immer allzu ernst. Vielleicht hat man schlicht nicht rechtzeitig daran gedacht. Aber was macht das schon. Im Normalfall sieht der Empfänger über die zwei oder drei Tage Verspätung großzügig hinweg. Eventuell ist eine kleine Mahngebühr fällig oder ein Säumniszuschlag zu zahlen. Der Rede ist das alles nicht groß wert.

In der Mobilfunkwelt ist bekanntlich alles anders. Da kann es auch vorkommen, dass übers Wochenende mal so eben 13 Millionen Mark Zinsen auflaufen, wenn zwei Bieter vergessen, ihre UMTS-Lizenzgebühren rechtzeitig zu überweisen. Vom Finanzminister aus betrachtet sind dies entgangene Zinsen: So locker sitzt niemandem - und schon gar nicht unserem Bundesfinanzminister - das Geld in der Tasche, dass er darüber großzügig hinwegschaut.

Nachdem vier Lizenznehmer ihre Kaufpreise bereits am Freitag überwiesen hatten, ließen sich D1-Telekom und D2-Mannesmann mit zusammen gut 33 Milliarden Mark bis Montag Zeit. Alles hängt nun wohl von der Frage ab, wann denn eigentlich der Zahlungsbescheid "wirksam" zugestellt wurde - am Montag nach der Lizenzversteigerung oder bereits vorher? Die Auktion war freitags beendet worden, samstags standen die Vertreter der Telekom-Regulierungsbehörde bei Mannesmann vor verschlossenen Türen, bei T-Mobile verweigerte der Sicherheitsdienst die Annahme des Briefes mit der Zahlungsaufforderung. Alles Zufall? Vielleicht. Vielleicht hätte sich Regulierungschef Klaus-Dieter Scheurle auch vorher mal erkundigen können. Vielleicht hätte ein Anruf mit dem Handy genügt?

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