Wirtschaft : Umweltschützer greifen die Autoindustrie an

Deutsche Umwelthilfe: Fahrzeuge verbrauchen zu viel Kraftstoff/Hersteller forcieren die Entwicklung von Hybrid-Antrieben

Susanne Herrmann

Berlin - Der Streit zwischen den Umweltverbänden und der Automobilindustrie geht in eine neue Runde. Am Donnerstag forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) angesichts der hohen Spritpreise EU-weite Höchstgrenzen für den Spritverbrauch. Sie sollten ab 2008 für alle Neuwagen gelten. Damit will die DUH die nach ihrer Ansicht gescheiterte Selbstverpflichtung der Automobilhersteller ersetzen. 1999 hatte sich die europäische Autoindustrie verpflichtet, den durchschnittlichen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer abzusenken. Dazu müsste nach Berechnungen der DUH der Benzinverbrauch auf 5,8 Liter sinken. Derzeit liegt der Durchschnittsverbrauch hierzulande bei 7,4 Litern.

„In Deutschland werden immer mehr Autos gebaut und entwickelt, die die Welt nicht braucht“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, am Donnerstag in Berlin. Statt in umweltfreundliche und kraftstoffsparende Fahrzeuge zu investieren, fließe die Entwicklungskraft der Ingenieure in die Motorleistung. Dem Argument, Fahrzeuge wie der Drei-Liter-Lupo würden vom Verbraucher nicht angenommen, setzte er die Erfolge der Hybrid-Fahrzeuge von Toyota und Honda entgegen. Gerd Rosenkranz, Leiter der politischen Abteilung der DUH, forderte eine „strategische Neuausrichtung“ der deutschen Autohersteller. „Die Ingenieurkapazitäten sind an Schnickschnack gebunden.“ Der Entwicklungsvorsprung der Japaner in der Hybrid-Technologie betrage zehn Jahre, so Resch. Der Hybrid-Antrieb ist eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor. Im Stadtverkehr verbraucht ein Hybridfahrzeug bis zu ein Drittel weniger Kraftstoff.

Der Verband der Autoindustrie (VDA) wies in einer Stellungnahme die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe zurück. Mit 161 Gramm CO2 im Jahr 2004 sei sogar die Zielmarke von 165 Gramm unterschritten worden. Die deutschen Hersteller setzten auf die Effizienzsteigerung in allen Fahrzeugklassen statt „Eingriffe in den Produktmix, wie sie die DUH fordert“. Es gäbe keinen Anlass in der EU, den Kurs zu ändern und Regulierungskonzepte aus China oder Japan zu übernehmen. In dem mit Abstand größtem Marktsegment, der Kompaktklasse, sei der Kraftstoffverbrauch in den letzten achten Jahren um 16 Prozent gesenkt worden, teilte der VDA mit. Alles in allem warf der Autoverband der DUH vor, die nächste Woche beginnende Autoausstellung IAA „als Trittbrett für mehr Medienresonanz zu nutzen“.

Auf Grund der hohen Kraftstoffpreise werden künftig auch die europäischen Autohersteller auf die Hybridtechnologie setzen. Sie werde zum „Liebling“ der Europäer, heißt es in einer am Donnerstag in Frankfurt am Main vorgestellten Studie der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC). Noch dominiere Japan bei Produktion und Absatz von Hybridfahrzeugen mit über 70 Prozent Marktanteil. „Im Jahr 2010 rechnen wir weltweit mit 74 Modellen und einer Gesamtverkaufszahl von einer Million Hybridfahrzeuge“, sagte PwC-Autoexperte Franz Wagner. Allerdings würden davon in 2010 nur 40000 Autos in Europa gebaut werden.

VW gab am Donnerstag bekannt, gemeinsam mit Shanghai Volkswagen (SVW) ein Fahrzeug mit Hybrid zu entwickeln. Als Basismodell soll bei SVW der in Shanghai produzierte Touran dienen. Das Hybrid-Fahrzeug soll 2008 zu den Olympischen Spielen in Peking präsentiert werden. In Europa und den USA will VW bis 2007 eigene Hybrid-Modelle auf den Markt bringen, um zu der japanischen Konkurrenz aufzuschließen. Daimler-Chrysler, GM und BMW bilden bereits eine Hybrid-Allianz. Und die Zulieferer Continental und ZF Friedrichshafen haben angekündigt, gemeinsam Hybrid-Antriebe zu entwickeln.

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