Wirtschaft : Umweltschützer: Neues Bergwerk gefährdet ganze Dörfer

BUND befürchtet Bodensenkungen durch geplante Zeche des RAG-Konzerns / Auch NABU hat Bedenken, setzt aber auf Dialog

Anselm Waldermann

Berlin - Die Pläne des Energiekonzerns RAG zum Bau eines neuen Steinkohlebergwerks in der Nähe von Hamm stoßen bei Umweltschützern auf Gegenwehr. „Wir sehen das Vorhaben sehr kritisch“, sagte Dirk Jansen vom nordrhein-westfälischen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dem Tagesspiegel. „Aus ökologischer Sicht stellt ein neues Bergwerk immer einen schweren Eingriff in die Natur dar.“ Mögliche Bodensenkungen könnten sogar ganze Siedlungen gefährden. Auch der Naturschutzbund NABU äußerte Bedenken: „Die große Frage ist, was sich bei den Gewässerläufen verändern wird“, sagte Ulrich Schölermann vom NABU in Hamm.

Die RAG hatte am Mittwoch bekannt gegeben, nördlich von Hamm in Nordrhein-Westfalen eine Zeche für Kokskohle in Betrieb nehmen zu wollen. Seit drei Jahrzehnten wäre dies der erste Neubau eines Steinkohlebergwerks in Deutschland. In dem Bergwerk sollen laut RAG mehr als 2500 Menschen Arbeit finden. Die Lagerstätte „Donar“ verfügt über ein Kohle-Vorkommen, aus dem für 30 Jahre Koks produziert werden könnte. Umweltschutzbedenken will die RAG dabei nicht gelten lassen. Das betroffene Gebiet sei nur dünn besiedelt, erklärte Bernd Tönjes, Vorstandschef der RAG-Tochter Deutsche Steinkohle AG (DSK). Zudem sei eine Verschmutzung des Grundwassers nicht zu erwarten.

Naturschützer sehen das jedoch anders. „Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass der Bergbau zwangsläufig zu Bodensenkungen führt“, sagte Jansen vom BUND. „Auch durch Gegenmaßnahmen kann man das nicht verhindern.“ Für den Verlauf von Gewässern sei dies äußerst problematisch. Daher stelle sich die Frage, „wie verträglich die RAG-Pläne mit dem Allgemeinwohl sind“, erklärte Jansen. „Wir sagen dazu ganz klar nein.“

Schölermann vom NABU sieht noch ein anderes Problem: die Lagerung des Berge-Materials, das bei der Förderung anfällt. „Mir wäre es lieber, man könnte das Material unter Tage unterbringen“, sagte er. Stattdessen seien nun 60 Meter hohe künstliche Berge zu befürchten. Schölermann räumte aber ein, dass die von der RAG genannten 2500 Arbeitsplätze auch für den NABU ein Argument seien, das man nicht zur Seite schieben könne. „Ich kann den Bergleuten schließlich nicht sagen: Sucht euch was anderes.“ Er setze daher auf einen Dialog mit der RAG.

Unterdessen erklärte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, er sehe für die RAG kaum Chancen, einen privaten Investor für die neue Kokskohlenzeche zu finden. Selbst vor dem Hintergrund der aktuell hohen Weltmarktpreise für Kokskohle sei ein solches Vorhaben nicht wirtschaftlich.

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