Umweltschutz : Deutsche Autos werden sauberer

Die Branche reduziert den CO2-Ausstoß im Jahr 2007 um zwei Prozent. Kritiker zeigen sich davon wenig beeindruckt. Sie sprechen von Zahlenspielen und Schönfärberei.

Henrik Mortsiefer
Deutsche Autos
Auf hohem Niveau - deutsche Autohersteller stoßen im Schnitt 169 Gramm CO2 pro Kilometer aus.Foto: dpa

BerlinDie deutschen Autohersteller machen Fortschritte bei der Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Der Branchenverband VDA räumte am Mittwoch gleichwohl in Berlin ein, dass BMW, Mercedes, Porsche und Volkswagen noch „Gewaltiges zu leisten“ haben, um die CO2-Ziele der EU-Kommission für das Jahr 2012 zu erreichen. Bis dahin muss der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU bei 120 Gramm pro Kilometer liegen. Ende 2007 erreichten die Deutschen im Schnitt 169 Gramm.

„Wir sind schneller als die Wettbewerber vorangekommen“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann in Berlin. Die deutschen Hersteller hätten im Jahr 2007 den CO2-Ausstoß um zwei Prozent gesenkt, die Importeure nur um 1,3 Prozent. Die geringsten Einsparungen hätten Japaner (minus 0,6 Prozent) und Franzosen (minus 0,8 Prozent) erreicht. Deutschland und Polen seien die einzigen Länder in der EU, so Wissmann, in denen seit 1999 die CO2-Belastung durch den Straßenverkehr gesunken sei.

Auch die Nachfrage nach klimaschonenden Fahrzeugen sei in Deutschland angesprungen. Die Zahl der Zulassungen von Autos mit einem CO2-Wert unter 130 Gramm stieg nach VDA-Angaben 2007 um 57 Prozent auf etwa 80 000 Stück – bei einer Gesamtzulassung von mehr als 3,1 Millionen Fahrzeugen. Mittlerweile gebe es 388 Modelle deutscher Marken, die weniger als 6,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchten, gut 60 Modelle sogar unter fünf Liter. „Das zeigt, dass die neuen und CO2-sparsamen Modelle auch vom Kunden angenommen werden“, sagte Wissmann. Dominiert wird der deutsche Automarkt aber weiterhin von großen, PS-starken „Premiummarken“. Nur fünf Prozent aller Neuzulassungen waren im vergangenen Jahr laut VDA Kleinstwagen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte, der Autoverband wolle „mit Zahlenspielen vom großen Rückstand der deutschen Autobauer beim Klimaschutz ablenken“. Der Verband spiele herunter, dass die deutschen Hersteller gegenüber der ausländischen Konkurrenz noch um durchschnittlich zehn Gramm CO2 pro Kilometer hinterherhinkten.

VDA-Präsident Wissmann wies den Vorwurf, die deutschen Hersteller seien nicht zeitgemäß, zurück. Ehrgeiz der Autobauer sei es, bis 2012 in jedem Segment „die Toprunner zu stellen“, also die Besten ihrer Klasse. Eine aktuelle Studie des britischen Verkehrsministeriums komme zu dem Ergebnis, dass die Deutschen dies in acht von 14 Klassen bereits geschafft hätten. Die weltweit besten Autos in der CO2-Hitliste seien ebenfalls deutsche Fahrzeuge, der Smart Diesel und der VW Polo Blue Motion. Der Löwenanteil der rund 18 Milliarden Euro, die die Industrie in Forschung und Entwicklung investiert habe, gehe in die Effizienz des Kraftstoffverbrauchs und die Reduzierung der Kohlendioxidemissionen, sagte der frühere Verkehrsminister. Es gehe darum, trotz „Downsizing“, also der Reduzierung der Motorengröße und des Verbrauchs, gute oder bessere Leistungen aus den Autos herauszuholen. „Nicht jedes Auto, das schnuckelig daherkommt, ist von der Kraftstoffeffizienz schon optimal“, sagte Wissmann.

Der VDA-Präsident bekräftigte seine Kritik an der EU-Kommission, deren Klimavorgaben deutsche Autohersteller unverhältnismäßig hart träfen und nicht dem Klimaschutz dienten, sondern industriepolitisch motiviert seien. Auch die seit dem 1. Januar in Frankreich geltende „Bonus-Malus-Regelung“, die den Verkauf französischer Kleinwagen begünstigt, stößt beim VDA auf Kritik. So sei die Zahl der Neuzulassungen deutscher Autos in Frankreich im Januar um neun Prozent gesunken, bei einem Marktminus von 5,5 Prozent. Juristische Schritte plant der VDA gleichwohl nicht. Man setze vielmehr auf einen „europäischen Kompromiss“, sagte Wissmann. In einem Brief an die EU habe er seine Kritik formuliert. „Wir erwarten jetzt von der EU-Kommission eine Klärung der Frage.“

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