Umweltschutz : Konzerne im Kopenhagen-Fieber

Zweieinhalb Monate vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen am 7. Dezember kehren immer mehr Unternehmen und Branchenverbände ihre Klimaschutzaktivitäten in den Vordergrund.

Kevin P. Hoffmann

Berlin Berlin - Zweieinhalb Monate vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen am 7. Dezember kehren immer mehr Unternehmen und Branchenverbände ihre Klimaschutzaktivitäten in den Vordergrund. Einigen Konzernen darf man unterstellen, dass sie die Gelegenheit nur nutzen, um sich in der Öffentlichkeit ein positives Image zu verpassen. Einige Konzerne sehen sich jedoch auch durch betriebswirtschaftliche Zwänge dazu genötigt, tatsächlich etwas für den nachhaltigen Umgang mit Energie und Rohstoffen zu tun.

So rief Eckhard Cordes, Vorstandschef des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro, am Dienstag erstmals den sogenannten Nachhaltigkeitsrat („Sustainability Board“) zusammen und erklärte sich zum Chef des Gremiums, das bei Lieferanten künftig strenger auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards und den Einsatz erneuerbarer Energien pochen soll. Offenbar glaubt das Management wirklich, dass man diese Themen in Angriff nehmen muss, um Anleger glücklich zu stimmen. Die achteten bei ihren Investitionen immer häufiger auf nachhaltiges Wirtschaften, sagte Metros Investor-Relations-Chef Henning Gieseke dem „Handelsblatt“. Gieseke glaubt: „Wer sich diesem Trend verweigert, wird in fünf bis zehn Jahren auf dem Kapitalmarkt nicht mehr beachtet und scheidet als Investitionsobjekt aus.“

Das dürfte auch die Sorge zumindest einiger der 500 weltweit tätigen Konzerne sein, die sich ebenfalls am Dienstag für mehr Klimaschutz aussprachen. In einer als „Kommuniqué für Kopenhagen“ überschriebenen dreiseitigen Erklärung fordern die Unternehmen – darunter Allianz, BASF, Deutsche Telekom, Eon, Otto und Siemens – ein „ehrgeiziges, stabiles und faires globales Abkommen über den Klimawandel als glaubwürdige Antwort auf das Ausmaß und die Dringlichkeit der Krisen, die die Welt heute erschüttern“. Sie erklärten weiter, eine nachhaltige und wirtschaftliche Entwicklung sei nicht möglich, „solange die Klimafrage nicht gelöst ist“. Das Papier sollte am Rande des UN-Klimagipfels in New York vorgestellt werden, der am Dienstag als Vorbereitung des Kopenhagener Gipfel begann.

Bereits am Vortag hatte die Initiative „Carbon Disclosure Projekt“, in der 475 institutionelle Anleger sich für die Offenlegung von CO2-Bilanzen von Unternehmen starkmachen, ihren „Global 500 Report“ vorgestellt. Dafür befragte sie 3700 der weltgrößten Unternehmen nach ihren Strategien, mit dem Klimawandel umzugehen. 63 Prozent der Befragten legten Reduktionsziele vor, aber nur 36 Prozent Ziele, die über das Jahr 2012 hinausgehen. Erstmals war auch der deutsche Chemiekonzern BASF unter den 30 „besten“ Unternehmen der Liste vertreten.

Sogar die als chronische Luftverschmutzer verrufenen Luftfahrtunternehmen nutzten die Gelegenheit, sich bei dem New Yorker Vorbereitungsgipfel als grün zu präsentieren. Die Branche wolle ihre Emissionen bis zum Jahr 2050 halbieren, teilten Vertreter mit. British-Airways-Chef Willie Walsh sagte der Zeitung „Guardian“ am Dienstag: „Die internationale Luftfahrt wurde vor zwölf Jahren nicht ins Kyoto-Protokoll aufgenommen. Jetzt haben wir die Chance, das zu berichtigen.“ Kevin P. Hoffmann

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