Wirtschaft : Umweltschutz und profitable Geldanlage schließen sich nicht aus

Holger Alich

Baum ab - nein, danke; Rendite rauf - ja, bitte. Wer glaubt, Umweltschutz und profitable Geldanlagen harmonierten so wenig miteinander wie Edmund Stoiber und Jürgen Trittin, befindet sich auf dem Holzweg. Nach einer Studie des Schweizer Bankhauses Sarasin versprechen Investments in solche Unternehmen eine hohe Rendite, die Ressourcen effizient nutzen und Umweltrisiken vermeiden.

Das beweist auch der Verlauf des neuen Dow Jones Sustainability Group Index (DJSGI). In diesem neuen Aktienindex sind die 225 Unternehmen der Welt enthalten, die besonders nachhaltig (sustainable) - also umweltfreundlich - wirtschaften und vernünftig mit ihren Mitarbeitern umgehen oder eine offene Informationspolitik betreiben. Rückdatiert auf Dezember 1993 überflügelt der DJSGI den Vergleichsindex MSCIWorld um über 37 Prozentpunkte.

"Für Anleger kommt es neben den Faktoren Liquidität, Sicherheit und Performance auch zunehmend auf den Faktor Nachhaltigkeit an", sagt Jürgen Bulling, Partner der SAM Sustainability Group in Zürich. Die SAM ist ein unabhängiger Finanzdienstleister, der private und institutionelle Kunden bei der Vermögensanlage nach nachhaltigen Erfolgskriterien berät. Die SAM hat auch zusammen mit Dow Jones die neue Index-Familie aus der Taufe gehoben. Anleger, die eine saubere Rendite erwirtschaften wollen, haben mehrere Möglichkeiten. Einmal können sie in einen der neuen Fonds investieren, die den DJSGI nachbilden. Solche Fonds werden auch passiv gemanagte Fonds genannt, da sie keine aktive Auswahl von Aktien betreiben. Einen Sustainability-Index-Fonds bieten an: das Bankhaus Lampe (Wertpapierkennnummer 926 178) als Partner der SAM in Deutschland, das Bankhaus Sal. Oppenheim (WKN 511 745) und die Fürst Fugger Privatbank (WKN 926 179). Daneben können Anleger ein Index-Zertifikat der HypoVereinsbank kaufen.

Wem Fonds zu langweilig sind, der kann auch mit Einzelwerten spekulieren. Dabei gibt es zwei Gruppen. Einmal die sogenannten Sustainability-Leader: Das sind großkapitalisierte, globale Unternehmen, die in ihrer Branche führend sind in Sachen nachhaltiges Wirtschaften. Zum anderen können Anleger ihr Geld in Pioniere anlegen, also kleine, wachstumsstarke Unternehmen, die mit wegweisenden Technologielösungen den Umweltschutz voranbringen und damit eine Menge Geld verdienen.

Aus der ersten Gruppe hält Andreas Plattner, Analyst der Schweizer Bank Sarasin, das Papier des Waschmittelkonzerns Henkel für eine saubere Sache. "Das Unternehmen orientiert sich sehr stark an der Öko-Effizienz und setzt diese Strategie erfolgreich um." Die derzeitige Kursschwäche sollten Anleger seiner Meinung nach zum Einstieg nutzen.

Bei den großen Werten hält Philipp Burger, Chef des Portfoliomanagements der SAM Group, die Aktie des Halbleiterherstellers ST Microelectronics für einen heißen Tipp. "Das Unternehmen ist führend bei der Herstellung von Chips für Handys", erläutert der Experte. Der Kurs habe sich zwar schon recht gut entwickelt, aber dank des anhaltenden Handybooms "ist noch Potenzial drin", glaubt Burger. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten überzeugt ihn der Wert. "Das Unternehmen hat für alle seine 17 Fabriken ein Umweltmanagementsystem implementiert und zertifizieren lassen", erklärt der Portfoliomanager.

Für risikobewusste Anleger eignet sich auch ein Investment in die jungen, aufstrebenden Pionier-Werte. Hier bewerten beide Experten zwei Werte als erste Wahl: zum einen Tomra, führender Anbieter von Rücknahmestationen von Verpackungen, von denen jeder aus Supermärkten die Geräte zur Annahme von Pfandflaschen kennt; zum anderen Vestas, einer der bedeutendsten Windturbinenhersteller. In die Pionier-Unternehmen sollten Investoren wegen des Risikos aber maximal 12 bis 15 Prozent ihrer Gelder stecken. Bei Blue Chips und Fonds, die sie enthalten, kann es laut Plattner ein größerer Anteil sein.

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