Umweltschutz : Verkauften Nestlé und Tchibo illegal angebauten Kaffee?

Umweltschützern zufolge haben Tchibo, Nestlé und Starbucks illegal angebauten Kaffee aus einem indonesischen Naturschutzgebiet verkauft. Für den Anbau sollen Gebiete in einem Nationalpark gerodet worden sein.

Jakarta/Hamburg - Die Bohnen stammten aus einem Nationalpark, in dem seltene Tiger, Flusspferde und Elefanten zu Hause sind, wie der Umweltverband World Wide Fund for Nature (WWF) in Jakarta mitteilte. Auch der Kraft-Konzern, zu dem die Marken Jacobs und Kaffee Hag gehören, habe den Kaffee bezogen. Die Bohnen aus dem Naturschutzgebiet wurden laut WWF von örtlichen Händlern mit der legalen Ernte vermischt und dann verkauft. Tchibo wies die Vorwürfe zurück. Andere Unternehmen signalisierten, sie wollten ihre Lieferanten künftig besser kontrollieren.

17 Prozent der Fläche gerodet

Der Nationalpark Bukit Barisan Selatan liegt am südlichsten Zipfel der westindonesischen Insel Sumatra. In dem Schutzgebiet lebten noch rund vierzig Sumatra-Tiger, von denen es in freier Wildbahn weniger als 400 gebe, erklärte der WWF in Jakarta. Auch 500 bedrohte Elefanten und eine besonders gefährdete Flusspferd-Art seien dort zu Hause. Trotz seltener Flora und Fauna und des Status' als Weltkulturerbe sei eine Fläche von 17 Prozent gerodet worden, um dort illegal Kaffee anzubauen. Sollte der gegenwärtige Trend anhalten, könne binnen zehn Jahren bereits mehr als ein Drittel der Nationalpark-Fläche gerodet sein. "Das wird große Auswirkungen auf die bedrohten Arten haben", teilte der WWF weiter mit.

Örtliche Kaffeehändler verkauften die Kaffeebohnen an internationale Unternehmen. Die Lieferungen gingen über den nahe dem Nationalpark gelegenen Hafen Lampung, von dem aus die Hälfte aller indonesischen Kaffee-Exporte das Land verlässt. In den Jahren 2003 und 2004 seien Lieferungen an zahlreiche westliche Kaffee-Unternehmen gegangen, etwa an Kraft Foods und Nestlé sowie an Tchibo oder den italienischen Lavazza-Konzern. Weitere deutsche Firmen wie Folgers oder die Neumann Kaffee Gruppe seien unter den Abnehmern gewesen. Den Unternehmen sei wohl meist nicht bewusst gewesen, woher der Kaffee stamme. Weder Export- noch Importfirmen hätten ausreichende Kontrollen. "Wir fordern die Firmen auf, zuerst einmal das Problem anzuerkennen", sagte Nazir Foead, ein Vertreter des WWF Indonesien.

Tchibo bestreitet Einfuhr aus Indonesien

Der weltweit größte Lebensmittelkonzern Nestlé teilte mit, er werde seinen Lieferanten künftig besser kontrollieren und zudem die Bauern anweisen, "höherwertigen Kaffee herzustellen". Die Nummer zwei Kraft Foods sowie Lavazza teilten mit, sie hätten eben erst begonnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ein Tchibo-Sprecher teilte mit, das Unternehmen habe seit über zehn Jahren keinen Kaffee mehr aus Indonesien bezogen. Grundsätzlich kontrolliere die Firma seine Lieferanten aber genau, um keinen illegalen Kaffee einzukaufen.

Zu Nestlé gehören unter anderem die Kaffee-Marken Nescafé, Nespresso und Caro. Zu Kraft Foods gehören die Marken Jacobs und Kaffee Hag sowie Onko und Tassimo. Indonesien ist weltweit der viertgrößte Kaffee-Exporteur und der zweitgrößte Hersteller von so genanntem Robusta, der vor allem für Instant-Kaffee verwendet wird. (tso/AFP)

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