Umweltverschmutzung : Brasilianischer Staatsanwalt verklagt Thyssen-Krupp

Wegen seines brasilianischen Stahlwerks ist Thyssen-Krupp ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft von Rio de Janeiro hat gegen die Tochter CSA und zwei ihrer Manager Anklage wegen Umweltvergehen erhoben.

Das Werk habe Luftverschmutzungen verursacht, die zu Gesundheitsschäden führen könnten, so der Vorwurf. Es geht unter anderem um Grafitemissionen, die bei der Inbetriebnahme des ersten Hochofens in Brasilien entwichen.

Thyssen-Krupp wies die Anschuldigungen zurück. Es habe zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung bestanden. Im Schreiben der Staatsanwaltschaft werden der frühere Projektleiter des Stahlwerkes, Friedrich-Wilhelm Schaefer und Umwelt-Geschäftsführer Àlvaro Francisco Barata Boechat als Verantwortliche genannt.

Schaefer, der in diesem Jahr in Rente gehen sollte, ist bereits wieder in Deutschland. Die Klage ist noch nicht zugelassen, aber die Behörde machte schon einmal den möglichen Strafrahmen klar: Den beiden Managern könnten 19 Jahre Haft und mehr drohen und dem Werk eine völlige oder teilweise Stilllegung sowie saftige Strafen. „Ein Stahlwerk von der Größe wie CSA (Siderúrgica do Atlântico) ... kann nicht auf adäquate Kontrolltechnologie verzichten, die in der Lage ist, jegliche verschmutzenden Emissionen in der Luft oder im Wasser zu verhindern oder abzufangen“, erklärte Staatsanwalt Daniel Lima Ribeiro.

Auf dem Stahlwerksgelände sei ohne Kontrolle der Emissionen Roheisen auf freiem Gelände ausgegossen worden. Das sei so nie genehmigt worden. In dem Schreiben, das sich auf Untersuchungen des Geowissenschaftlichen Institutes der Universität Rio beruft, ist von einem Anstieg der Eisenkonzentration in der Werksumgebung um 600 Prozent die Rede.
Thyssen-Krupp widersprach der Darstellung in allen Punkten. Es gebe drei Messstationen auf dem Gelände, die die Daten regelmäßig und automatisch an die Umweltbehörden in Rio weiterleiteten. Diese Messungen hätten keine gefährdende Beeinträchtigung der Luftqualität ergeben. „Das ist alles dokumentiert“, hieß es bei Thyssen-Krupp in Rio. „Das Stahlwerk ist das sauberste und sicherste in ganz Lateinamerika.“ Bekannt ist allerdings, dass beim Anfahren des ersten Hochofens Mitte Juli eine Gießmaschine die Anforderungen nicht erfüllte und ein kleiner Teil des Roheisens auf ein dafür vorgesehenes offenes Gelände geschüttet werden musste. Dabei kam es zu Graphitemissionen, die auch in der Nachbarschaft des Stahlwerkes rund 80 Kilometer von Rio nicht unbemerkt blieben. Anwohner fanden in den üblicherweise auf Dächern installierten Wasserbottichen eine schwarze Graphitschicht und erstatteten Anzeige.

Das Stahlwerk in Brasilien ist mit einem Investitionsvolumen von 5,2 Milliarden Euro das bisher größte Projekt von Thyssen-Krupp. Die Kosten waren in der Bauphase deutlich angestiegen. Drei der jährlich produzierten fünf Millionen Tonnen Stahl sollen in das neue Werk in Calvert (Alabama/USA) geliefert werden. Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz bezifferte die Investitionen in das neue US-Werk auf insgesamt rund fünf Milliarden US-Dollar (3,77 Milliarden Euro). (dpa)

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