Unbefristetes Rückgaberecht bei Ikea : Billy darf zurück

Das schwedische Möbelhaus Ikea gewährt seinen Kunden neuerdings ein unbefristetes Rückgaberecht. Andere Firmen haben damit schon viel Erfahrung. Und einen Haken gibt es bisher nicht.

Lisa Kolde
Das Drumherum fällt weg: Seit Montag nimmt Ikea nicht mehr nur Ware in originaler Verpackung zurück.
Das Drumherum fällt weg: Seit Montag nimmt Ikea nicht mehr nur Ware in originaler Verpackung zurück.Foto: dpa

Ganz so einfach ist das mit der Rückgabe dann doch nicht, zumindest am Telefon. Wer über die Ikea-Hotline erfragen möchte, ob und wie er ein Möbelstück zurückbringen kann, wird von einer Frauenstimme mit schwedischem Akzent zunächst durch drei Abfragemodule geleitet. Für die, die dann noch immer am Ball sind, hält die elektronische Dame abschließend den Rat bereit, sich am besten in einer Ikea-Filiale vor Ort nach den Modalitäten zu erkundigen.

Immerhin: Wer sich von dem Telefonat nicht entmutigen lässt, dürfte zukünftig gute Chancen haben, sein Sofa oder Regal tatsächlich wieder bei Ikea loszuwerden. Denn das schwedische Möbelhaus bietet ab sofort in Deutschland ein unbefristetes Rückgaberecht für einen Großteil seiner Waren – ganz egal, wie alt oder zerkratzt sie sind. Bisher konnten Kunden gekaufte Möbel nur in Originalverpackung und binnen 90 Tagen zurückgeben. Die neue Rückgaberegelung sieht keine Frist vor und gilt auch für gebrauchte Artikel, sofern diese nach dem 25. August gekauft worden sind und ein Kassenzettel vorliegt. „Wir wollen unsere Kulanz erweitern“, erklärte Ikea. Auch das wachsende Onlinegeschäft sei ein Grund für die Umstellung.

Lands' End, Amazon, Tupperware - auch hier werden Kunden gelockt

Ähnlich kulant wie Ikea zeigt sich Lands’ End, ein Versandhandel für Bekleidung, bereits seit Jahren. „Wir akzeptieren jede Rücksendung, aus jedem Grund, zu jeder Zeit“, heißt es auf der Homepage. Das Unternehmen erweitert damit auf freiwilliger Basis das Rückgaberecht. Denn im Internet bestellte Waren müssen nicht länger als 14 Tage zurückgenommen werden. Auch Anbieter wie Amazon verlängern diese Frist ab und zu, um Kunden zu locken – etwa in der Weihnachtszeit. So konnten im vergangenen Jahr Produkte, die zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember 2013 durch Amazon versandt wurden, bis zum 31. Januar zurückgegeben werden.

Auch die amerikanische Firma Tupperware, die Plastikbehälter für die Küche vertreibt, steht in dem Ruf, eine lebenslange Rücknahmegarantie auf ihre Produkte zu gewähren. Tatsächlich gilt sie 30 Jahre lang. Nichtgefallen zählt indes nicht als Umtauschgrund.

Rechtlich seien solche Aktionen vollkommen legitim, erklärt Reiner Münker von der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg. „Eine Verkaufsförderungsmaßnahme im Rückgaberecht muss zeitlich nicht beschränkt sein.“ Problematisch werde es allerdings, wenn ein „Haken an der Sache“ sei, etwa nur bestimmte Waren zurückgenommen würden. „Dann muss das Unternehmen vorher ganz klar darauf hinweisen“, so Münker. Ein solcher Haken ist dem Wettbewerbsexperten bei der Ikea-Regelung bisher allerdings nicht aufgefallen.

Die unbegrenzte Rückgabefrist ist auch für Ikea von Vorteil

Denn ausgenommen von der Neuregelung sind lediglich Pflanzen, zugeschnittene Waren und Produkte aus der „Fundgrube“. Mit einem plötzlichen Rückgabeansturm rechnet man bei Ikea jedenfalls nicht. „Vermutlich werden einige Möbel später zurückgegeben als bisher. Aber dass die Menge zunimmt, erwarten wir nicht“, erklärte Sprecherin Sabine Nold am Freitag. Bisher kommen bei Ikea etwa sechs Prozent der verkauften Waren wieder zurück. Diese Quote sei über die Jahre konstant gewesen, so Nold. „Wir vermuten, dass die Zahlen auch mit der neuen Rückgaberegelung auf diesem Niveau bleiben.“

In Dänemark und Norwegen haben Ikea-Kunden schon seit einiger Zeit die Möglichkeit, ihre Ware über die 90-Tage-Frist hinaus ins Möbelhaus zurückzubringen. Dort habe man gute Erfahrungen mit dem Modell gemacht. Denn die unbegrenzte Rückgabefrist hat nicht nur für den Kunden Vorteile. „Das ganze Handeling wird auch für Ikea einfacher“, sagt Nold. Weil Mitarbeiter die Retouren nicht mehr im Detail prüfen müssen.

Was nach der Rückgabe mit den zum Teil benutzten Möbeln geschieht, hängt von ihrem Zustand ab. Originalverpackte Ware komme wie bisher zurück in den Verkauf, erklärt Nold. Möbel, die schon etwas mehr Kratzer und Schrammen aufweisen, werden recycelt. Neuwertige Waren landen in der Fundgrube, wo sie dann vielleicht einen neuen Besitzer auf Zeit finden. (mit dpa)

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