Wirtschaft : Und jetzt wieder büffeln

Ob Volleyball, Tennis oder Fußball: Sport braucht Manager. Nicht nur für Leistungssportler ist das eine interessante Weiterbildung.

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Hat es auch mit Zahlen: Julius Brink hat als Beachvolleyballer gerade Gold geholt bei Olympia. Nun folgen Praktika. Denn der Leistungssportler hat nebenher eine Weiterbildung zum Sportmanager gemacht. Foto: dpa
Hat es auch mit Zahlen: Julius Brink hat als Beachvolleyballer gerade Gold geholt bei Olympia. Nun folgen Praktika. Denn der...Foto: dpa

Die Zeit vor den Wettkämpfen war für Beachvolleyballer und Olympia-Goldgewinner Julius Brink neben dem Training noch von etwas anderem bestimmt: Büffeln. Der 30-Jährige hatte nicht nur das Olympische Gold 2012 im Auge, sondern auch das, was später kommt. Denn er weiß, dass es ein Leben nach dem Leistungssport gibt. Im Fernstudium hat er sich zum Sportmanager ausbilden lassen. Jetzt, nach den Olympischen Spielen, möchte er eine Reihe Praktika absolvieren und Erfahrungen sammeln.

Es gibt verschiedene Wege zum Beruf des Sportmanagers, aber eine Fortbildung für das entsprechende Fachwissen ist unerlässlich. Am Ende stehen ein IHK-, ein Bachelor-, Master- oder MBA-Abschluss oder ein individuelles Diplom wie das staatlich anerkannte Sportmanagement-Diplom des Studienzentrums IST in Düsseldorf. Auch Julius Brink ist IST-Absolvent. Die Weiterbildung dauert eineinhalb Jahre im Fernunterricht. Voraussetzung ist ein Schulabschluss mit Berufsausbildung oder ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium. Die Teilnehmer erhalten regelmäßig von Experten verfasste Lehrhefte, müssen fünf Arbeiten zur Prüfung des gelernten Stoffs nach Düsseldorf senden und ein Wochenendseminar absolvieren. Am Ende steht die schriftliche Prüfung. Mit Prüfungsgebühren kostet die Weiterbildung insgesamt etwa 3700 Euro.

Etwa 15 bis 20 Prozent der IST-Absolventen sind Berufs- und Leistungssportler. Für sie ist das flexible Fernstudium besonders geeignet, die Weiterbildung mit ihren Trainingsplänen zu vereinbaren. Zu den Absolventen gehören Fußballprofi Marcel Schäfer, Deutscher Meister von 2009 mit dem VfL Wolfsburg, und die mehrfach als deutsche Judoka-Meisterin ausgezeichnete Claudia Malzahn.

Aber auch für Berufstätige bietet die Weiterbildung Sportmanagement eine Möglichkeit, sich entweder für ehrenamtliches Engangement in Sportvereinen zu schulen oder gar eine neue hauptberufliche Richtung einzuschlagen. Der Sport ist ein anziehungskräftiges Berufsfeld. Es funktioniert „wie ein Eisberg“, sagt Benjamin Willems, IST-Verantwortlicher für Vertrieb und Marketing. Die Spitze des Eisbergs ist das, was man im Fernsehen sieht. Damit lässt sich viel Geld verdienen. „Der Rest des Eisbergs bietet Einsteigern viele Jobs, die außerhalb von Glanz und Gloria stattfinden.“ Das gelte auch für Menschen aus anderen Berufen.

Sportmanager gibt es in den großen Vereinen, in Verbänden, kommunalen Sportorganisationen und privatwirtschaftlich organisierten Sport- und Freizeitanlagen.

Auch Jurist Jens Gottwald ist den Weg zum Sportmanager gegangen. Im vergangenen Jahr erlebte er einen denkwürdigen Augenblick. Es war vier Spiele vor dem Ende der Saison und die Basketballer der Hanauer „White Wings“ spielten in der Regionalliga gegen ihren bisher stärksten Gegner. Zwei Sekunden vor Schluss fiel der entscheidende Korb. dann ertönte die Sirene. Der Aufstieg in die Zweite Bundesliga war geschafft, sie waren Meister. Genau das hatte Jens Gottwald als Geschäftsführer der Turngemeinde Hanau (TGH) 2005 angekündigt.

Momente wie dieser halten Gottwald, 41, bei der Stange. „Wenn Sie mal etwas anfangen, was Ihnen richtig Spaß macht, lässt sie das nicht mehr los“, sagt er. Ende der 90er Jahre machte er sein Zweites Staatsexamen zum Juristen – eine Woche später absolvierte er das IST-Diplom zum Sportmanager.

Dabei hatte er nicht einmal vor, sich hauptberuflich im Sport zu engagieren: Er wollte einfach seine Kenntnisse für sein bisheriges ehrenamtliches Engagement beim TGH vertiefen. Für die Hausarbeiten brachte er an mehreren Tagen in der Woche die Abendstunden auf. Er studierte die insgesamt 17 Lehrhefte: darunter Betriebswirtschaftslehre, Unternehmungsführung, Personalmanagement, Marketing, Kommerzialisierung und Events, Sportsponsoring, Vereinsfinanzierung. Es war eine entbehrungsreiche Zeit. Gottwald erinnert sich an einen Osterurlaub in Bayern, als er bei schönstem Wetter drinnen saß und paukte, statt draußen im Pool zu baden.

Für Gottwald hat es sich gelohnt. Nach bestandenem Zweiten Staatsexamen und Diplom erhielt er sofort ein Angebot des TGH, als hauptamtlicher Geschäftsführer den Verein neu zu strukturieren. Neben seiner Arbeit am Aufstieg der „White Wings“ richtete er unter anderem 2003 die Europameisterschaften in der Kampfsportart Ju Jutsu in Hanau aus. 2008 erhielt er ein Angebot der Stadt Hanau, heute arbeitet Gottwald hauptberuflich als Geschäftsführer in der Wohnungs- und Parkraumwirtschaft. Die neuen Themenfelder reizten ihn, er liebt es seinen Horizont zu erweitern.

Ehrenamtlich ist Gottwald jetzt Manager der White Wings und damit zuständig für Trainer- und Spielerpersonal, Verträge, Sponsoren, Öffentlichkeitsarbeit und kaufmännische Fragen. Er bezeichnet sich selbst als „Riesenfan“. Es gehen einige Nächte drauf für Gottwalds Leidenschaft. Langfristig möchte er wieder hauptberuflich im Sport arbeiten.

Über 95 Prozent der Teilnehmer an der IST-Weiterbildung zum Sportmanager ziehen den Abschluss durch. Mit dem IST-Diplom gibt es Möglichkeiten, weiterzumachen: Neben Spezialisierungen wie Tennismanagement gibt es ein Aufbaumodul zum Geprüften Sportfachwirt mit Abschluss der Internationalen Handelskammer (IHK), danach folgt das Fernstudium zum Sportökonom in der Zusammenarbeit mit einer Fachhhochschule.

Ein bekanntes Beispiel für einen Absolventen, der alle Stufen durchlaufen hat, ist Alexander Rosen. Der ehemalige Fußballer leitet heute das Nachwuchsleistungszentrum des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Um erfolgreich in der Branche zu sein, sind laut Benjamin Willems vier Voraussetzungen nötig. 1. Man muss eine gute Präsenz haben und mit Menschen umgehen können. 2. Man braucht Kontakte, zum Beispiel durch Praktika. 3. Auch Erfahrung ist wichtig. Wer sich schon einmal im Sportsektor engagiert hat, hat bessere Karten. 4. Ohne das nötige Fachwissen geht es nicht – eine Weiterbildung ist unerlässlich.

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