Wirtschaft : Unerbittlich, hartnäckig und etwas genial

Der VW-Lenker Ferdinand Piëch wird 70

Alfons Frese

Berlin - Es war im Herbst 2005, als Ferdinand Piëch seinen Aufsichtsratskollegen Christian Wulff mit dünnem Lächeln verabschiedete. „Gute Reise, Herr Ministerpräsident.“ Wulff verließ vorzeitig eine Aufsichtsratssitzung, auf der er gemeinsam mit dem damaligen VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder eine Attacke gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch geritten hatte. Porsche war zuvor VW-Aktionär geworden, weshalb Wulff/Pischetsrieder dem Porsche-Miteigentümer Piëch keine neutrale Rolle mehr im VW-Aufsichtsrat zutrauten. Die Geschichte ging nicht gut aus für die beiden. Pischetsrieder flog ein Jahr später raus und Wulff ist brav geworden und hat sich dem Alten gebeugt. In dieser Woche wird Piëch im Amt bestätigt. Weil Porsche inzwischen mehr als 30 Prozent an VW besitzt und damit rund zehn Prozent mehr als Niedersachsen, gibt Piëch den Ton an in Wolfsburg.

In einer Presseerklärung von VW zum 70. Geburtstag Piëchs ist vom „Automobilmanager des Jahrhunderts“ die Rede. In jedem Fall ist er einer der talentiertesten Machtakrobaten in der Managerklasse. Unerbittlichkeit, Kampfgeist und Beharrlichkeit zeichnen den Autokonstrukteur aus, der Ende der 80er Jahre den Vorstand von Audi und in den 90er dann den Vorstand der Audi-Mutter VW führte. Als er 1993 nach Wolfsburg kam, war Volkswagen ein Sanierungsfall, den Piëch mit Hilfe seines Arbeitsdirektors Peter Hartz wieder auf die Räder stellte. Die Zahl der VW-Modelle stieg in der neunjährigen Amtszeit bis 2001 von 28 auf 65. Piëch erweiterte die Volkswagenpalette nach oben mit dem Geländewagen Touareg und dem Oberklassenauto Phaeton. Für letzteres ließ er die Gläserne Manufaktur in Dresden bauen. Bislang kommt der Phaeton nicht annähernd an die Konkurrenten Mercedes S-Klasse, 7er BMW und Audi A8 heran. Dagegen ist die britische Luxusmarke Bentley inzwischen ein Erfolg und bringt Geld. Alles in allem hat Piëch für die Ober- und Luxusklasse – er kaufte auch noch die Marken Bugatti und Lamborghini – Milliarden ausgegeben. Etwas weniger, nämlich nur eine Milliarde, kostete die „Autostadt“, ein gigantischer Freizeitpark auf dem VW-Gelände direkt am Mittellandkanal in Wolfsburg.

Zu den vermutlich größten Leistungen des Enkels von Ferdinand Porsche, dem legendären Konstrukteur des VW-Käfers, dem der Enkel immer nacheiferte, gehörte die Positionierung Audis neben BMW und Mercedes. Dagegen ist der Mutterkonzern Volkswagen seit Jahren auf Schlingerkurs und weit von den Verkaufs- und Ertragszahlen des Hauptkonkurrenten Toyota entfernt. Mit Hilfe seiner Getreuen, dem neuen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, will Piëch das in den nächsten Jahren ändern. Von Altersschwäche keine Spur. Am heutigen Dienstag wird Piëch, in zweiter Ehe verheiratet und Vater von einem Dutzend Kindern, 70 Jahre alt.

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