Wirtschaft : „Ungerecht und teuer“

Joachim Lang warnt vor übertriebenen Einnahmeerwartungen

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Herr Lang, die Verfechter der Vermögensteuer argumentieren, es sei eine gerechte Steuer, weil sie die Wohlhabenden in die Pflicht nimmt. Ist sie das wirklich?

Nein. Steuern auf die Substanz sind immer ungerecht. Ein wirklich gerechtes System besteuert ausschließlich Einkommen und Konsum. Die Vermögensteuer provoziert nur die Flucht derjenigen ins Ausland, die eigentlich zur Kasse gebeten werden sollen.

Unternehmen können ihr Betriebsvermögen nicht auf die Schnelle ins Ausland verlagern.

Das ist ja das Problem. Den Großteil der Vermögensteuer werden wieder die Betriebe bestreiten. Die müssen sogar dann zahlen, wenn sie Verluste machen und sind dann in kritischen Situationen von der Gnade der Finanzämter abhängig, ob die Steuern erlassen werden. Eine investitionsfeindlichere Steuer kann ich mir kaum vorstellen.

Die Bundesländer suchen aber dringend nach Einnahmequellen.

Die Verfechter der Vermögensteuer sollten sich nicht täuschen. Die Einbußen bei anderen Steuern und der Verwaltungsaufwand werden viel höher sein als die erwarteten Einnahmen. Wegen der hohen Freibeträge, die das Verfassungsgericht vorschreibt, ist der Verwaltungsaufwand enorm – weil die Vermögensgegenstände ständig bewertet werden müssen.

Andere Länder fahren ganz gut mit der Vermögensteuer.

Die meisten Länder erheben nur Steuern auf Immobilien. Das ist etwas völlig anderes als eine breit angelegte Steuer auf alle Vermögensarten . Außerdem gibt es kaum ein Land, in dem die Einkommen schon so hoch versteuert werden wie in Deutschland. Man muss die gesamte Steuerlast der Bürger sehen.

Die Fragen stellte Dieter Fockenbrock.

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