Wirtschaft : Ungewöhnlich viele Pleiten

Bisherigen Höchststand um fast 10 Prozent übertroffen / Schwache Inlandsnachfrage eine der Ursachen

WIESBADEN (rtr).Trotz Konjunkturbelebung hat es in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr soviele Firmenpleiten gegeben wie nie zuvor.Die Zahl der Insolvenzen habe mit 13 598 den bisherigen Höchststand zur Jahresmitte 1996 um 8,8 Prozent übertroffen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.Dabei habe es vor allem in den neuen Bundesländern im Juni einen Pleitenschub gegeben.Hingegen deuteten die jüngsten Auftragseingänge der Industrie nach Ansicht von Volkswirten auf einen Konjunkturaufschwung hin.Dazu trage aber fast nur der Export bei. Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker ging in den alten Bundesländern im ersten Halbjahr 9565 Unternehmen das Geld aus, 7,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist.In den neuen Ländern gingen 4033 Unternehmen ­ ein Anstieg um 11,7 Prozent ­ in die Gesamtvollstreckung.Im Juni sei die Zahl der Pleiten außergewöhnlich stark gestiegen, erklärte das Bundesamt.Sie nahm um gut ein Viertel auf 2620 zu.Dabei betrug der Zuwachs in Ostdeutschland 44 Prozent und im Westen 18,4 Prozent.Die Gläubiger meldeten Forderungen in Höhe von 21,5 Mrd.DM an. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Schwanhold, erklärte, die Pleitenstatistik offenbare die mittelstandsfeindliche Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.Der allein auf Exportwachstum setzende Weg der Regierung sei falsch.Nur durch ein nachhaltiges und kräftiges Binnenwachstum könnten Arbeitsplätze und Lehrstellen entstehen. Die jüngsten Konjunkturdaten bestätigen nach Einschätzung von Experten aber noch nicht die Erwartung, daß der Exportboom auf die Binnennachfrage übergreift.Der Auftragseingang der deutschen Industrie stieg im Juli im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte.Die Inlandsnachfrage habe lediglich um 0,6 Prozent zugelegt.Im Jahresabstand nahmen die Neubestellungen im Juli jedoch um 6,4 Prozent zu.Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Juni/Juli erreichte das Wachstum sogar um 8,8 Prozent.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben