Ungleiche Bezahlung : Wenn Heirat mehr lohnt als Arbeit

Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männer verändert sich seit Jahren nicht. Nun fordern die Gewerkschaften neue Gesetze.

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Von gleichem Lohn für gleiche Arbeit sind Frauen in vielen Berufen nach wie vor weit entfernt.
Von gleichem Lohn für gleiche Arbeit sind Frauen in vielen Berufen nach wie vor weit entfernt.Foto: dpa

Berlin - Während die Frauen die Männer in Deutschland in den vergangenen Jahren an den Universitäten überflügelt haben – in Leistung und Zahl – tut sich auf dem Gehaltszettel seit langem wenig. Noch immer liegen die Stundenlöhne von Frauen hierzulande rund ein Viertel unter denen der Männer, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Dieser Unterschied scheint zementiert: Seit 2006 schon liegt er unverändert bei 23 Prozent. In den neuen Bundesländern ist er mit sechs Prozent deutlich niedriger als in den alten, wo er bei 25 Prozent liegt.

Als Gründe benennt das Statistische Bundesamt in erster Linie die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern. Arbeitnehmerinnen gingen eher Tätigkeiten nach, „die mit tendenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen verbunden sind“, erläutern die Statistiker. Auch arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit als Männer, etwa weil sie Kinder betreuen. Genau das versperrt ihnen oft den Aufstieg in Führungspositionen.

Allerdings könnten mit solchen Faktoren nur rund zwei Drittel des Unterschieds beim Verdienst erklärt werden, schreiben die Statistiker. Die restliche Lohndifferenz von acht Prozent geht der Untersuchung zufolge allein auf das Geschlecht zurück. Frauen, bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation, verdienten demnach im Schnitt acht Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das gilt selbst für Führungskräfte, hier ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich einen monatlichen Lohnunterschied von rund 20 Prozent. Allerdings sieht das DIW Bewegung. Vor zehn Jahren habe die Differenz noch bei 30 Prozent gelegen.

Die Gewerkschaften fordern ein Eingreifen der Politik. „Wir brauchen ein Gesetz, das die tatsächliche Entgeltgleichheit befördert“, sagte die Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbrock, in Berlin. Sie will die Firmen verpflichten, ihr Gehaltssystem durch unabhängige Kontrolleure überprüfen zu lassen und Diskriminierung von Frauen zu beheben. Auch ein gesetzlicher Mindestlohn könne das Lohnniveau von Frauen anheben, sagt Sehrbrock. Gerade sie arbeiteten häufig in Bereichen, in denen es keine Tarifverträge oder Niedriglöhne gebe. „Wir können nicht länger in einem Land leben, in dem sich der Heiratsmarkt für Frauen mehr lohnt als der Arbeitsmarkt“, sagte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), Jutta Allmendinger. Am Ende des Erwerbslebens zeige sich der Lohnunterschied in seinem wahren Ausmaß: „Frauen erhalten im Schnitt nur knapp 40 Prozent der Rente, die Männer bekommen“, sagte Allmendinger.

Am Freitag wollen Gewerkschaften und Frauenverbände am „Equal Pay Day“ für gleiche Bezahlung von Frauen demonstrieren. Der Tag ist nicht willkürlich gewählt: Bis zum 23. März, fast drei Monate länger, müssten Arbeitnehmerinnen arbeiten, um das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu erreichen. Jahel Mielke

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