Wirtschaft : Uni plus

Mit einem schlechten Abi ein begehrtes Fach studieren? Dazu ist der NC an vielen Hochschulen zu hoch. Nur bei der Bundeswehr kann man auch über einen Aufnahmetest einen Platz bekommen.

Hannah Loeffler
Nur für Offiziere.
Nur für Offiziere.Foto: dpa-tmn

Ein Numerus Clausus von 1,0: Das ist in begehrten Fächern wie Medizin derzeit die Realität. Wer bei der regulären Studienplatzvergabe keine Chance hat, kann sich seinen Studienwunsch möglicherweise dennoch erfüllen. Möglich macht es ein Studium bei der Bundeswehr. Hier wird nicht nur über die Abiturnote, sondern mit einem Aufnahmetest ausgewählt. Doch so ein Studium ist kein Zuckerschlecken.

Kleine Lerngruppen, bestens ausgestattete Universitäten und schon im Studium ein Gehalt: Auf den ersten Blick bietet das Studium bei der Bundeswehr viele Vorteile. „Doch als Notnagel, weil ich sonst keinen Studienplatz bekomme, taugt das nicht“, sagt Patrick Ruthven-Murray. Er hat einen Ratgeber zum Thema Studienwahl geschrieben, in dem er auch den Aspekt Studium bei der Bundeswehr behandelt. Abiturienten müssten sich klarmachen, dass sie sich entscheiden, Soldat zu werden – mit allen Konsequenzen. Im Zweifelsfall müssen sie in Krisengebieten auch schießen.

Jedes Studium bei der Bundeswehr ist eingebettet in die Ausbildung zum Offizier, erklärt Michael Brauns, Pressesprecher der Bundeswehr-Universität in München. „Das Studium ist Teil der Offiziersausbildung. Nicht andersherum.“ Für alle Bewerber seien körperliche Fitness, Verantwortungsbewusstsein und viel Durchhaltevermögen Grundvoraussetzungen. Von Psychologie über Medizin bis Maschinenbau bietet die Bundeswehr insgesamt fast 30 Studiengänge an. Die Studenten werden mit einem aufwändigen Aufnahmeverfahren inklusive Wissenstest, Referat und ärztlicher Untersuchung ausgewählt.

Alle Studenten verpflichten sich für 13 Jahre von Beginn der Ausbildung an. Bevor das Studium losgeht, absolvieren die Teilnehmer eine 15-monatige Ausbildung beim Berufsheer, bei der Marine oder der Luftwaffe. Rund 90 Prozent werden innerhalb ihrer Verpflichtungszeit im Ausland eingesetzt, einige auch in Krisengebieten wie Afghanistan, erzählt Brauns.

Wer im Laufe der 13 Jahre an der Entscheidung zweifelt, wird zunächst von Vorgesetzten und Professoren beraten. Ein Wechsel des Studienfachs ist möglich. Die generelle Option, das Studium einfach abzubrechen, gibt es jedoch nicht. Wann und wie ein Student aussteigen kann, werde im Einzelfall besprochen, so Brauns. Für diese lange Verpflichtung bieten die Bundeswehr-Universitäten einiges: Die Fakultäten sind gut ausgestattet. Außerdem bekommt jeder Student etwa 1500 Euro netto im Monat, abhängig vom Alter, dem Dienstgrad und dem Familienstatus.

Eine Ausnahme sind die Fächer Medizin, Pharmazie, Zahnmedizin und Tiermedizin. Die Studierenden lernen an zivilen Unis. Vor Beginn des ersten Semesters müssen die Studenten eine dreimonatige Grundausbildung absolvieren. Zusätzlich machen sie in vier Wochen während der ersten zwei Jahre des Studiums den Offizierslehrgang.

Da das Studium länger dauert und der Bedarf an Medizinern bei der Bundeswehr hoch ist, müssen sich Studierende dieser Fächer für 17 Jahre verpflichten. Seit 2001 dürfen auch Frauen bei der Bundeswehr studieren. Mittlerweile sind im Schnitt etwa zehn Prozent der Studenten eines Jahrgangs weiblich. Zu den wenigen Frauen auf dem Münchner Campus zählt Janina Klima. Seit Oktober studiert sie Psychologie. In erster Linie möchte sie Soldatin werden. „Ich will mit meinem Beruf einen Beitrag zur Gesellschaft leisten und Verantwortung übernehmen“, sagt die 20-Jährige. Nach dem Abschluss möchte sie traumatisierte Soldaten nach ihrer Rückkehr von Auslandseinsätzen betreuen.

Auch anderen jungen Frauen würde sie ein Studium bei der Bundeswehr empfehlen: „Wenn die Frauen gewillt sind an ihre Grenzen zu gehen, können sie das schaffen“, sagt Klima. Jede Bewerberin müsse allerdings überzeugt hinter dem Konzept der Bundeswehr stehen.

Die Überzeugung, für die Bundeswehr tätig zu sein, sei das Wichtigste, bestätigt auch Anne Müller, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Hamburg. „Jeder muss sich überlegen, ob er einen Auslandseinsatz psychisch und körperlich durchstehen würde.“ Außerdem müssten sich Bewerber bewusst machen, dass sie bei der Bundeswehr kein lockeres Studentenleben haben. „Es ist ein sehr straffes Programm. Das ist so, als wenn man direkt von Anfang an arbeiten muss.“ Andererseits sei die Ausbildung komplett finanziert, und Studierende müssten keine Zukunftsängste haben, da sie im Anschluss an ihr Studium sicher einen Job haben.

Nach ihrer Zeit bei der Bundeswehr könnten die Absolventen in der Regel problemlos zu zivilen Arbeitgebern wechseln. Sie seien bei Arbeitgebern beliebt.

„Sie sind sehr teamfähig und kameradschaftlich“, erzählt Müller. Nur wenige hätten Schwierigkeiten sich nach der Zeit beim Bund wieder im zivilen Leben zurechtzufinden. dpa

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