Wirtschaft : Unicredit sucht Kaufziele in Deutschland

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Frankfurt am Main/ Berlin - Die italienische Bank Unicredit peilt nach der Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) weitere Zukäufe in Deutschland an – dabei könnte die Bankgesellschaft Berlin ganz oben auf der Liste stehen. „Wir wollen wachsen. Der deutsche Markt ist für uns von strategischer Bedeutung“, sagte Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Jede Kaufmöglichkeit werde sich die Bank genau anschauen. Man dürfe das Geschäft mit Filialkunden nicht fast allein den Sparkassen überlassen.

Experten werten Profumos Aussage als weiteres Signal für ein Interesse an der Bankgesellschaft Berlin, die das Land Berlin wegen Auflagen der EU-Kommission im kommenden Jahr verkaufen muss. „Die einzige große Adresse, die zum Verkauf steht, ist die Bankgesellschaft“, sagt Konrad Becker, Bankenanalyst bei Merck Fink. Die HVB habe sicher ein ernstes Interesse an der Bank. „Das Manko der HVB ist, dass sie kein bundesweit flächendeckendes Netz im Privatkundengeschäft hat“, sagt Becker. „Mit dem Kauf der Bankgesellschaft könnte sie das zumindest in Berlin ändern.“

Die HVB gehörte bereits zu den Interessenten für die Berliner Bank, die im Juni für 680 Millionen Euro von der Bankgesellschaft in den Besitz der Deutschen Bank wechselte, sie schied aber schon früh aus dem Bieterwettbewerb aus. Die Deutsche Bank hat nach Ansicht von Unicredit-Chef Profumo für die Berliner Bank zu viel bezahlt. Der Preis von 680 Millionen Euro sei „nicht angemessen“, sagte der Banker.

Für die Zukunft setzt er nicht nur auf Zukäufe, die Bank soll auch aus eigener Kraft wachsen. Darauf basiere der derzeit gültige Drei-Jahres-Plan. Mit der Entwicklung der HVB ist der Italiener im Prinzip zufrieden, allerdings müsse der Ertrag noch deutlich stärker wachsen. Mehr als die bei der Übernahme angekündigten 1800 Stellen sollen nicht gestrichen werden. Profumo bedauert zwar, dass einige Vorstandsmitglieder wie Christine Licci und Stefan Jentzsch die HVB verlassen haben, es seien aber gute Manager nachgerückt. Unicredit war 1998 aus der Fusion italienischer Großbanken und Sparkassen entstanden. Profumo machte sie zu einem der erfolgreichsten Institute in Europa mit mittlerweile 134 000 Mitarbeitern. ro/stek

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