Wirtschaft : Unilever: Der Konsumgüterkonzern will in China an die Börse

wsje/olm

Die Mauer, die ausländische Unternehmen in China vom lokalen Kapitalmarkt trennt, bröckelt. Als erstes ausländisches Unternehmen hat nun der Konsumgüterkonzern Unilever, dessen Produktpalette in China von Lux-Seife über Omo-Waschpulver bis Eis und Tee reicht, eine Genehmigung für den Börsengang beantragt. Die Holdinggesellschaft Unilever (China), an der der Konzern die Mehrheit hält und die aus 14 Joint-Ventures besteht, soll in Form von so genannten A-Aktien an den Markt für einheimische Anleger gebracht werden. Der chinesische Markt für Dividendentitel ist zweigeteilt: Ausländer können nur so genannte B-Aktien von Unternehmen kaufen.

Wenn Unilever mit seinen Börsenplänen Erfolg hat, könnten diese dem Unternehmen wichtige neue Finanzquellen in China erschließen. Das würde Unilever außerdem helfen, seinen Markennamen zu festigen und ein Aktien-Optionsprogramm einzuführen, mit dem einheimische Mitarbeiter gehalten werden können. "Wir wollen Zugang zu ganz gewöhnlichen chinesischen Anlegern", sagt Paul Neely, Direktor Unternehmensentwicklung bei Unilever in Shanghai. Das ist revolutionär. Als China vor einem Jahrzehnt Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen einführte, war das Hauptziel, wacklige Staatsunternehmen mit billigem Kapital zu versorgen, damit diese ihre Schulden bezahlen und neue Technologien kaufen können. Chinas rund 1000 Börsenunternehmen haben bei einheimischen Investoren bislang 40 Milliarden US-Dollar locker gemacht, den Großteil davon in den vergangenen drei Jahren. Doch die meisten börsennotierten Unternehmen werden nach wie vor von ehemaligen Regierungsbeamten gemanagt, viele haben das Kapital verschleudert. Wann Unilevers Antrag durchgeht, ist noch offen. Dutzende einheimische Firmen warten auf die Erlaubnis, Aktien auszugeben. Unilever müsste sich vordrängeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar