Wirtschaft : Unilever erhöht Kaufangebot - Weltgrößter Nahrungsmittelkonzern entseht

tomas Roser

Mit einem deutlich erhöhten Kaufangebot ist dem britisch-niederländischen Mischkonzern Unilever die Übernahme des US-Konkurrenten Bestfoods geglückt: Er überrundet damit den Schweizer Konkurrenten Nestlé als größter Nahrungsmittelhersteller der Welt. Fünf Wochen hatte sich der in Rotterdam ansässige Mischkonzern um eine Ehe mit der zunächst unwilligen Braut bemüht. 24,3 Milliarden Dollar bezahlt das niederländische-britische Unternehmen für die Einverleibung von Bestfoods - und löst damit den Schweizer Rivalen Nestlé von der Position als größter Nahrungsmittelkonzern der Welt ab: Gemeinsam hatten Unilever und Bestfoods 1999 einen Umsatz von rund 110 Milliarden Gulden (98 Milliarden Mark) erzielt.

Sein Unternehmen sei zu dem Schluss gekommen, dass die Einsparungen und Synergievorteile bei einer Übernahme rund 50 Prozent höher seien als zunächst berechnet, begründete der niederländische Unilever-Vorstandschef Antony Burgmans die Erhöhung der ursprünglichen Offerte um zehn Prozent.' Obwohl Bestfoods anfangs die Übernahme-Bemühungen von Unilever brüsk ,,als finanziell unter jedem Maß' zurückwies, ließ der Rotterdamer Konsumgüterkonzern nicht locker.

Mit populären Marken wie die Knorr-Suppen passt der Bestfoods-Konzern genau zu der von Burgmans zu Jahresbeginn postulierten Unternehmensstrategie von Unilever. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will Unilever, das neben Körperpflegeprodukten u.a. Lipton-Tee, Magnum-Eis oder Omo-Waschmittel produziert, seine Produktpalette von derzeit 1600 auf 400 wachstumsstarke Marken reduzieren und die Zahl der Produktionsstätten um ein Drittel vermindern. ,,Statt Komplexität zu verwalten, managen wir künftig das Wachstum,' erläuterte der erst vor Jahrfrist zum Vorstandschef anvancierte Burgmans die Umstrukturierung seines Unternehmens, die den Anteilseignern mittelfristig ein jährliches Gewinnwachstum von sechs Prozent bescheren soll.

In den vergangenen Jahren hatte Unilever vor allem Unternehmensbereiche abgestossen, sich beispielsweise ganz von der Chemiesparte getrennt. Doch unter Burgmans steuert der Konzern wieder auf gezielten Expansionskurs. Dieses Jahr hat das Unternehmens bereits den US-Eisproduzent Ben & Jerrys und den Diätmittelhersteller SlimFast übernommen. Dass die Übernahmeverhandlungen mit Bestfoods relativ lange währten, hat sich für Unilever wegen des gefallenen Dollarkurses letztendlich noch ausgezahlt: Die Hälfte des nun vorgenommenen Preisaufschlags wird durch den schwächeren Dollarkurs komepensiert. ,,Das Zögern von Burgmans hat sich gelohnt,' stellt die Tageszeitung ,,Algemeen Dagblad' zufrieden fest. Zufrieden können jedoch auch die Anteilseigner von Bestfoods sein. Anfang März stand der Kurs der Bestfoods-Aktie noch bei 38 Dollar: Nun blätterte Unilever mit 73 Dollar pro Aktie beinahe den doppelten Preis auf den Verhandlungstisch.

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