Wirtschaft : Unilever schickt Käpt’n Iglo von Bord

Konzern trennt sich von Tiefkühlsparte

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Berlin - Der niederländisch-britische Nahrungsmittelkonzern Unilever sucht einen Käufer für seine Tiefkühlsparte mit den Marken Iglo und Birds Eye. Auch eine Aufspaltung in einzelne Teile ist möglich. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag bei der Vorlage der Jahreszahlen für 2005 mit. Das Geschäft mit Tiefkühlkost wächst Unilever zu langsam und zu schwer, so dass man nicht damit rechnet, dort die gewünschte Rendite zu erreichen. Einzige Ausnahme ist der italienische Teil. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warf Unilever eine verfehlte Unternehmenspolitik vor. NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg kündigte an, den Tarifvertrag gegen einen möglichen Käufer zu verteidigen. Unilever nannte keine Namen. Schon seit einigen Monaten suchen Investmentbanker nach Interessenten, offenbar ohne Erfog.

Von den Plänen betroffen sind rund 3500 Mitarbeiter. Es geht um einen Jahresumsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro. In Deutschland stehen somit zwei Werke zum Verkauf. In Bremerhaven verarbeiten 790 Beschäftigte Fisch, in Reken 575 Gemüse. Hinzu kommen zwischen 100 und 300 Mitarbeiter in der Verwaltung. Daneben stellt Unilever Tiefkühlkost in zwei Werken in Großbritannien her. Nicht zum Verkauf steht allerdings das Speiseeisgeschäft (Langnese). Ein Unilever-Sprecher sagte dem Tagesspiegel, die Werke seien voneinander getrennt. Er betonte außerdem, alles laufe weiter wie bisher – inklusive Marketing.

Schon seit Jahren gilt das Tiefkühlkostgeschäft als schwierig. Auch der schweizerische Nahrungsmittelkonzern Nestlé hatte sich weitgehend davon getrennt mit dem Hinweis, sich auf lukrativere Felder zu konzentrieren. Mögliche Interessenten am Iglo-Geschäft wie die deutsche Frosta, die auch in Bremerhaven sitzt, prüfen jetzt auch zunächst die Folgen für das eigene Geschäft.

Insgesamt war für Unilever – dazu gehören Produkte von Knorr über Rama bis zum Waschmittel Sunil – allerdings 2005 ein gutes Jahr, nachdem es im Jahr 2004 einen Einbruch gegeben hatte. Der Umsatz legte um drei Prozent auf 39,7 Milliarden Euro zu. Der Überschuss stieg um 21 Prozent auf 3,5 Milliarden. hop/dpa

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