• Union unterstützt Apotheker im Kampf gegen Versandhandel Bundesregierung will Beratungshonorare einführen

Wirtschaft : Union unterstützt Apotheker im Kampf gegen Versandhandel Bundesregierung will Beratungshonorare einführen

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Berlin (pet). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will Apothekern in Zukunft ein gesondertes Beratungshonorar zahlen. „Die Beratung muss künftig unabhängig sein von der Frage, ob die Medikamente hoch oder niedrigpreisig sind“, sagte Schmidt bei einem außerordentlichen Apothekertag am Mittwoch in Berlin. Bisher verdienen die Apotheker in der Regel umso mehr, je teurer das Medikament ist. Darüberhinaus bekräftigte die Gesundheitsministerin ihre Absicht, in Deutschland künftig den Versandhandel mit Arzneimitteln und den Mehrbesitz von Apotheken (siehe Lexikon, Seite 20) zuzulassen. Bei den Apothekern stoßen diese Vorschläge auf heftigen Widerstand. Unterstützung erhalten sie von der Union und der FDP.

Die Bundesgesundheitsministerin erhofft sich durch die Zulassung des Versandhandels und die Abschaffung des Mehrbesitzverbotes deutliche Einsparungen im Gesundheitswesen. Die rund 21 000 deutschen Apotheker fürchten dagegen durch die Konkurrenz aus dem Internet um ihre Existenz.  In einer Resolution wandten sie sich strikt dagegen, den Versandhandel von Arzneien sowie den Besitz mehrerer Apotheken zuzulassen. „Wenn diese Punkte Gesetz werden, bedeutet dies das Aus für die wohnortnahe Arzneimittelversorgung und das endgültige Aus für das bewährte Apothekensystem“, sagte HansGünter Friese, der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, in Berlin.

Rückendeckung von Union und FDP

Unterstützung erhalten die Apotheker von der Union und der FDP. „Wir lehnen den Versandhandel klipp und klar ab“, sagte der CSU-Gesundheitsexperte und frühere Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer. Auch der Gesundheitsexperte der FDP, Dieter Thomae, sagte: „Die Versandapotheke ist für uns kein Thema.“ Der Versandhandel von Medikamenten war in Deutschland erst 1998 von Union und FDP verboten worden. In der Europäischen Union ist der Pillenversand dagegen zugelassen. Davon profitiert die niederländische Apotheke Doc Morris, die seit Juni 2000 Pillen grenzüberschreitend und preisgünstiger im Internet anbietet – auch in Deutschland. Der Apothekerverband hält das für rechtswidrig und hat Doc Morris verklagt. Allerdings mit schlechten Aussichten: Der Versandhandel werde wahrscheinlich vom EuGH zugelassen, sagte die Gesundheitsministerin. Sie wolle den Apothekern die Chance geben, das künftige System mitzugestalten.

Apothekerpräsident Friese forderte Schmidt auf, die Anfang 2003 verordneten Zwangsrabatte auf Arzneien aufzuheben. Mindestens 15 000 Stellen in Apotheken seien bedroht. „Nehmen Sie das entstandene Unrecht zurück“, sagte Friese. Die Branche sei schwer getroffen durch die Spargesetze der vergangenen beiden Jahre. Diese hätten zu extremen Einkommenseinbußen geführt. Die Ministerin lehnt das ab, bietet aber Konsensgespräche mit Union und FDP an.

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