Wirtschaft : United Airlines hat einen neuen Konzernchef

James E. Goodwin, der unter massiven Druck der eigenen Gewerkschaften geratene Konzernchef der United-Airlines-Muttergesellschaft UAL, ist am Sonntag zurückgetreten. Zum neuen Chef und Vorsitzenden des Aufsichtsgremiums wurde der 69-Jährige John H. Creighton ernannt. Die Mechaniker- und die Flugbegleitergewerkschaften hatten den Rücktritt von Goodwin gefordert. Die United-Mitarbeiter kontrollieren 55 Prozent der UAL-Aktien. Drei Gewerkschaften haben je einen Sitz im zwölf Mitglieder zählenden Verwaltungsrat.

Goodwin (57) hatte 34 Jahre für United gearbeitet und erst vor etwas mehr als zwei Jahren die Führung übernommen. In dieser Zeit war der UAL-Aktienkurs von 73,50 Dollar auf 13,93 Dollar eingebrochen. Der Manager war in den vergangenen zwei Wochen wegen eines Schreibens an die Mitarbeiter noch stärker unter Beschuss geraten. In dem Schreiben hatte er vor einem möglichen Zusammenbruch der Gesellschaft im kommenden Jahr gewarnt, falls keine drastischen Kostensenkungen erfolgen sollten.

UAL legt am Donnerstag seinen Geschäftsbericht für das dritte Quartal und die ersten neun Monate 2001 vor. Es werden hohe Verluste erwartet. Im Gesamtjahr könnten nach Schätzungen von Experten rote Zahlen von bis zu zwei Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Mark) anfallen.

United Airlines, nach American Airlines zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt und Partner in der Star Alliance der Lufthansa, hatte bereits vor den Terrorangriffen unter hohen Kosten gelitten. United kündigte danach wegen des stark gefallenen Flugreiseaufkommens die Entlassung von 20 000 Beschäftigten an und reduzierte ihr Flugangebot um mehr als 20 Prozent.

Die Ernennung von Creighton durch den Verwaltungsrat erfolgte einstimmig. Er ist seit 1998 Mitglied des UAL-Verwaltungsrates und war von 1991 bis 1997 Chef des großen Forstwirtschafts- und Holzprodukt-Konzerns Weyerhaeuser. Das Sofortziel sei die Wiederherstellung der Finanzstabilität der Gesellschaft, kündigte Creighton an. Er wolle mit den Mitarbeitern und Gewerkschaften zusammenarbeiten, um dies zu erreichen. Dabei liege aber alles auf dem Tisch, erklärte der neue UAL-Chef als Hinweis auf notwendige Kostensenkungen. Er wolle das Unternehmen solange führen, bis es auf dem Weg zur finanziellen Stabilität sei. "Ich habe diesen Job nicht angenommen, um bei einem Konkurs zu präsidieren", sagte er.

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