Wirtschaft : United Airlines steht vor dem Konkurs

Washington lehnt Kreditgarantie für US-Luftfahrtgesellschaft ab – Sanierungsplan „finanziell unsolide“

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New York/Berlin (pf/fw). Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines (UAL) steht vor dem Konkurs. Die zweitgrößte USFluggesellschaft ist mit ihren Bemühungen um eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar am Mittwoch gescheitert. Damit droht der einst größten Fluggesellschaft der Welt ein Konkursverfahren. Der von der Gesellschaft vorgelegte Geschäftsplan sei finanziell unsolide, sagte der Air Transportation Stabilization Board (ATSB), eine nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 vom Staat gegründete Hilfsbehörde für US-Fluggesellschaften.

Der Chef der UAL–Dachholding, Glenn F. Tilton, zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung. Er versicherte jedoch, United werde weiter fliegen. Tilton äußerte sich aber nicht dazu, ob United einen Konkursantrag stellen oder der Behörde einen umgearbeiteten Plan vorlegen werde. „Wir werden mit unseren Gewerkschaftsleuten und anderen Interessenten Rücksprache nehmen", sagte Tilton. United hatte bei der Behörde beantragt, 1,8 Milliarden Dollar eines Kredits im Gesamtvolumen von zwei Milliarden Dollar zu garantieren.

Anschläge haben die Krise verschärft

United ist nicht die einzige US-Fluggesellschaft in der Krise: US Airways hatte bereits im August als erste große US-Fluggesellschaft nach den Anschlägen einen Konkursantrag gestellt. Kurz darauf gab American Airlines die Entlassung von 7000 Mitarbeitern bekannt. Die Anschläge vom September hatten lediglich als Verstärker einer ohnehin vorhandenen Struktur-Krise gewirkt. Bereits im März 2001 hatte die Rezession in den USA begonnen. Seit den Terrorattacken ist die Zahl der Passagiere um bis zu 30 Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr haben die großen US-Airlines Verluste von 7,3 Millionen Dollar gemacht – in diesem Jahr werden weitere 5,4 Milliarden Verlust befürchtet.

Die vom US-Kongress gegründete ATSB hatte nach dem 11. September ein Kreditprogramm im Volumen von zehn Milliarden Dollar aufgelegt, um den Fluggesellschaften nach den Terrorattacken zu helfen. In der heutigen Beschlussbegründung der Behörde heißt es, die im Sanierungsplan von United angeführten Argumente seien nicht plausibel und das Risiko für die amerikanischen Steuerzahler zu groß. United hat das Jahr 2001 mit einem Verlust von 2,1 Milliarden Dollar abgeschlossen und wird diesen Branchenrekord im Jahr 2002 voraussichtlich übertreffen.

Selbst im Falle eines Konkursverfahrens dürfte dies für die Passagiere jedoch keine Auswirkungen haben. Ein Unternehmen ist im Rahmen der amerikanischen Konkursgesetzgebung vor den Gläubigern sicher und kann seinen Betrieb weiter führen. United will jedoch den Konkurs möglichst vermeiden, weil die Aktien andernfalls wahrscheinlich ihren Wert verlieren würden und das Management die Kontrolle der Sanierung einem Richter übergeben müsste. Nach Informationen des Wall Street Journal laufen Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern wie J.P. Morgan, Bank One und GE Capital, der Finanztochter der General Electric Corp.

United ist zu 55 Prozent im Besitz der Mitarbeiter. Von seinen Mitarbeitern, Kreditgebern und Leasing-Firmen hat United bereits Konzessionen in Höhe von insgesamt 14 Milliarden Dollar über fünfeinhalb Jahre gefordert. Die Piloten, Flugbegleiter und fast das gesamte Bodenpersonal hatten zugestimmt. Die Mechaniker wollten am Donnerstag abstimmen. Bisher sieht der Sanierungsplan die Streichung von 26 000 Stellen und den Abbau von fast einem Viertel der Flugkapazitäten vor. Innerhalb von fünfeinhalb Jahren sollen 14,1 Milliarden Dollar gespart werden. Die UAL-Aktie verlor am Mittwoch mehr als 70 Prozent.

Unterdessen ist die Deutsche Lufthansa weiter zu finanzieller Hilfe für ihren US-Partner aus dem Luftfahrtbündnis Star Alliance bereit. Derzeit gebe es aber „keinen konkreten Plan“ für eine Unterstützung der Partnergesellschaft, sagte ein Sprecher.

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