Wirtschaft : United Internet fordert schnellere Marktöffnung

Vorstandschef Ralph Dommermuth: „Regulierer schützt Investitionen der Telekom“/Geschäft mit schnellem Internet boomt

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Wettbewerb auf dem Markt für schnelle Internetzugänge per DSL nimmt an Schärfe zu und setzt den Marktführer Telekom unter Druck. United Internet – nach der Telekom-Tochter T-Online Nummer zwei auf dem deutschen DSL-Markt – fordert jetzt von der Regulierungsbehörde eine schnellere Öffnung des Telefonmarktes. „Die Telekom gibt von ihrer Marktmacht freiwillig nichts ab“, sagte United Internet-Chef Ralph Dommermuth dem Tagesspiegel. „Eine schnelle Regulierungsentscheidung wäre wünschenswert.“ United Internet zählte zuletzt rund 825000 DSL-Kunden, T-Online 2,6 Millionen.

Vor allem das Monopol der Telekom bei der „letzten Meile“ bis zum heimischen Telefonanschluss ist den Wettbewerbern ein Dorn im Auge. Zwar dürfen Anbieter wie United Internet oder Freenet seit diesem Frühjahr DSL-Zugänge aus einer Hand verkaufen, ohne zugleich einen Highspeed-Anschluss der Telekom vermarkten zu müssen. Doch auf die technische Infrastruktur der Telekom sind sie immer noch angewiesen. Die Telekom gewährt den so genannten Wiederverkäufern lediglich einen Rabatt gegenüber dem Endkundenpreis. Für die Internetnutzer fällt weiter eine Telefongebühr bei der Telekom an. Die Regulierungsbehörde geht davon aus, dass sie frühestens in anderthalb Jahren entscheiden wird, ob Telekom-Wettbewerber DSL-Anschlüsse auch allein verkaufen dürfen.

„Die Entbündelung von Sprach- und DSL-Anschluss würde das Geschäft natürlich beschleunigen, weil wir nicht mehr auf die Telekom angewiesen wären“, sagte Dommermuth. Die Regulierungsbehörde schütze hier die Investitionen der Telekom. Für den Telefonkonzern wäre es „natürlich dramatisch, wenn unsere DSL-Kunden keinen Telefonanschluss mehr bräuchten“. Der Wettbewerb werde hier „aus nachvollziebaren Gründen in gewisser Weise behindert“, sagte der United Internet-Chef.

Über mangelnden Zuspruch der Kunden muss sich Dommermuth freilich nicht beklagen. „Unser DSL-Angebot läuft sehr gut. Wir gewinnen jeden Tag über 1000 neue Kunden“, sagte er. Bis Ende 2004 will United Internet eine Million DSL-Anschlüsse verkauft haben. Doch der Preiskrieg der Anbieter könnte vor dem Weihnachtsgeschäft noch härter – und teurer – werden. Schon jetzt unterbieten sich United Internet (mit seinen Marken GMX und 1&1) sowie T-Online, AOL oder Freenet mit Schnäppchenangeboten und subventionierten DSL-Geräten, die gratis abgegeben werden.

„Jeder neue Kunde kostet uns um die 50 Euro“, rechnet Dommermuth vor. „Vertriebskosten nicht eingerechnet.“ Unter dem Strich, so schätzen Branchenexperten, müssen im Schnitt 80 Euro ausgegeben werden. „Zur Zeit haben wir sehr hohe Marketingkosten“, räumt Dommermuth ein. Das DSL-Wiederverkaufsangebot werde im zweiten Halbjahr rund zehn Millionen Euro extra kosten. Neun bis elf Monate brauche United Internet, um die Kosten für die Kundengewinnung einzuspielen. Doch mit Blick auf alle Internetkunden ist der Vorstand zufrieden: „Wir haben im ersten Halbjahr 45 Millionen Euro verdient und hatten 3,15 Millionen Kunden. Da kann man nicht meckern.“

United Internet beschäftigt 4324 Mitarbeiter und war mit GMX als eine der ersten Firmen an den Neuen Markt gegangen. Während viele Internetfirmen untergingen, blieb Dommermuth am Markt. Vom Geschäft mit Breitband-Internetzugängen verspricht er sich eine noch bessere Marktstellung: „Der Internetmarkt wird gerade über DSL und den Umstieg auf schnelle Leitungen neu verteilt.“

Mitmischen will der Unternehmer aus Montabaur auch in den USA. Wo sich hunderte Anbieter Konkurrenz machen, ist United Internet mit 50 Mitarbeitern auf Kundenfang. 2004 sollen 14 Millionen Euro investiert werden. Dommermuth zieht eine positive Zwischenbilanz: „Beim Web-Hosting sind wir schon auf Nummer elf. Gemessen am monatlichen Wachstum sogar ungefähr auf Platz sechs.“

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