Wirtschaft : Universal testet CDs für 9,90 Euro

Deutschland-Chef: Musikkonzern führt „Entdeckungspreis“ein /Branche hofft 2006 auf Umsatzplus

Henrik Mortsiefer

Der Musikkonzern Universal wird in Kürze CDs zum günstigen Einstiegspreis von weniger als zehn Euro anbieten. „Wir werden ein differenziertes Preismodell für ausgewählte Titel im zweiten Quartal ausprobieren“, sagte Frank Briegmann, Deutschland-Chef des Unternehmens, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Konkurrent BMG hatte im vergangenen Jahr erstmals für einige Künstler CDs in unterschiedlicher Ausstattung und in drei Preisstufen angeboten, darunter eine Billig-CD für 9,90 Euro ohne Beiheft. In der kommenden Woche will BMG intern eine Zwischenbilanz ziehen. Haben sich die preiswerten CDs gut verkauft, soll die Preisstaffelung auf andere Titel ausgeweitet werden.

„Wir werden uns genau ansehen, wie erfolgreich das Modell von BMG war“, sagte Briegmann. „Auf Grundlage dieser Analyse entscheiden wir über ein eigenes differenziertes Preismodell.“ Vorstellbar sei, dass man für ausgewählte Newcomer einen „Entdeckungspreis“ einführe. „Der könnte dann bei 9,90 Euro liegen.“ Allein der Preis werde den CD-Verkauf aber nicht ankurbeln. „Es muss auch kein Drei-Stufen-Modell mit Billig-, Standard- und Luxus-CD sein. Das wollen wir variieren“, sagte der Universal-Chef. Auch über die Frage, ob die preiswerteste CD-Version ohne Booklet verkauft werde, müsse man nachdenken.

Um außerdem das Marketing effizienter zu machen und den Verkauf von Künstlern aus dem Universal-Katalog zu optimieren, will sich Universal direkteren Einfluss auf das Sortiment im Einzelhandel verschaffen. „Wir sind dabei, entsprechende Vereinbarungen mit zwei großen Handelspartnern zu treffen“, sagte Briegmann. „Das Kataloggeschäft ist auch 2004 insgesamt schwieriger geworden.“

Die Musikbranche, die in den vergangenen sechs Jahren rund 40 Prozent ihres Umsatzes an Internet-Tauschbörsen und Raubkopierer verloren hat, macht sich nun erstmals wieder Hoffnung auf eine Stabilisierung der Umsätze. 2004 ging der Umsatz im Vergleich zu 2003 „nur um rund vier Prozent“ zurück, wie der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, der dpa am Freitag sagte. Für das laufende Jahr prognostizierte Gebhardt eine Stagnation. „2006 geht es dann wieder aufwärts“.

Auch Frank Briegmann glaubt, dass das gute Weihnachtsgeschäft die Trendwende eingeläutet hat. „Für 2005 erwarte ich noch einmal ein kleines Minus. Die Prognosen reichen hier von minus zwei bis null Prozent. Ich denke aber, wir haben jetzt die Talsohle erreicht“, sagte Briegmann. Die Margen seien aber „bei weitem nicht mehr so üppig“ wie vor drei Jahren. 2003 hatte die Branche in Deutschland 1,8 Milliarden Euro umgesetzt – 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Laut Phonoverband lag der Absatz von CDs und DVDs in der Weihnachtszeit aber bei mehr als 40 Millionen Stück „und damit deutlich über dem Vorjahresniveau“.

Universal konnte seinen Marktanteil nach Briegmanns Angaben im vergangenen Jahr steigern und arbeitet in allen Einheiten profitabel. In Deutschland liege der Marktanteil jetzt bei 29,5 Prozent. „Das ist der höchste Stand in der Geschichte des Unternehmens.“ Die 2004 fusionierten Konzerne BMG und Sony Music sollen inzwischen zusammen auf etwas mehr als 30 Prozent kommen.

Obwohl Briegmann damit rechnet, dass Universal im Jahr 2008 immer noch drei Viertel seines Umsatzes mit klassischen Tonträgern machen wird, soll der Vertrieb über das Internet und das Geschäft mit Klingeltönen ausgebaut werden. Letzteres macht bisher zwar nur etwa zwei Prozent des Umsatzes aus. „Diesen Anteil werden wir im laufenden Jahr verdoppeln“, hofft Briegmann. Dabei setzt Universal immer mehr auf den Direktvertrieb per SMS – vorbei an Zwischenhändlern wie Jamba oder Zed. Ein erster Test mit dem Titel „Schnappi“ verlief Briegmann zufolge sehr erfolgreich: „Innerhalb von vier Wochen haben wir über 100000 Klingeltöne zusätzlich zu den 400000 Singles verkauft.“

Richtig in Schwung komme der Verkauf von Klingeltönen erst, wenn die Technik für das Abspielen von Musikstücken in CD-Qualität als Klingelton zur Verfügung stehen. Dazu sind so genannte Real-Tone-Handys erforderlich. Schon 2004 sind laut Briegmann für 140 Millionen Euro mobile Inhalte verkauft worden. Über Lizenzen aus dem Online-Vertrieb erzielt Universal etwa ein Prozent seines Umsatzes. Nachdem der Konzern im Dezember seine Download-Plattform Popfile für private User abgeschaltet hat, soll jetzt die Kooperation mit Apples iTunes und Musicload von T-Online intensiviert werden. Bei beiden haben Universal-Titel einen Anteil von 40 Prozent. „Der legale Markt hat sich sehr gut etabliert“, sagte Phono-Verbandschef Gebhardt. „Wir haben 2004 zehn bis zwölf Millionen Tracks im Netz verkauft. Es könnte sein, dass sich das 2005 verdoppelt.“

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