Wirtschaft : Unklare Zukunft der UMTS-Lizenzen Ein Szenario im Pleitefall eines Unternehmens gibt es nicht

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Berlin (fw) . Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat für den Pleitefall von Mobilcom kein Szenario dafür parat, was dann mit der UMTS-Lizenz geschehen würde. Das ist dem Sprecher Harald Dörr zufolge „völlig offen“. Verkaufen, versteigern oder gar verschenken seien alles Optionen, sagte Dörr. Sollte Mobilcom Pleite gehen, würde die Lizenz, die das Unternehmen gemeinsam mit France Télécom ersteigert hatte, wieder bei der Regulierungsbehörde landen. Das ist in den Vergabebedingungen der Lizenzen so geregelt. Dann müssen sich die Regulierer überlegen, unter welchen Bedingungen sie die Lizenz wieder an den Markt bringen. Allerdings ist das kompliziert für die Behörde, denn sie muss darauf achten, dass die Unternehmen, die bereits eine Lizenz halten, nicht benachteiligt werden. Diese fürchten unfairen Wettbewerb, wenn ein Konkurrent die Lizenz womöglich zu günstigeren Bedingungen erhält als sie selber vor zwei Jahren. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, der die Unternehmen zusammenschließt, die im Wettbewerb zur Deutschen Telekom stehen, fordert die Aufteilung der Lizenz unter den Unternehmen, die bereits eine halten. Und zwar zu „fairen Bedingungen“, sagte die Verbandssprecherin.

Acht Milliarden Euro für eine Lizenz

In Deutschland bauen neben Mobilcom derzeit weitere fünf Mobilfunkkonzerne mit Milliarden-Investitionen UMTS-Netze auf: T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus und O2 (früher: VIAG Interkom) sowie Quam (Telefónica/Sonera) hatten bei der Auktion im August 2000 ebenfalls für viel Geld eine Lizenz erworben. Für die Konzession musste jeder gut acht Milliarden Euro zahlen. Experten gehen inzwischen davon aus, dass nicht alle sechs Anbieter langfristig eine Überlebenschance haben. Drei bis maximal vier Unternehmen, so die Szenarien, könnten sich am Ende im UMTS-Geschäft durchsetzen.

Die Marktführer T-Mobile und Vodafone D2 haben dabei die besten Aussichten. Im kommenden Jahr wollen die Anbieter den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Pläne für einen früheren Starttermin wurden aufgegeben. Mobilcom ist neben Vodafone D2 das einzige Unternehmen ohne einen Kooperationspartner beim UMTS-Aufbau auf dem deutschen Markt. Im vergangenen Jahr hatte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eine Zusammenarbeit zwischen den UMTS-Anbietern teilweise gestattet. Kurz danach kündigten T-Mobile und O2 sowie E-Plus und Quam eine Kooperation an. Sie rechnen mit Einsparungen beim gemeinsamen Netzaufbau in Milliardenhöhe. Nicht statthaft ist der Handel mit UMTS-Lizenzen. Die Vergabebedingungen erschweren auch Fusionen der Anbieter untereinander. Schließen sich zwei zusammen, muss eine Lizenz zurückgegeben werden.

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