Unkonventionelle Chefs : Verdienst selbst festlegen

Gehalt ist bei der Unternehmensberatung Vollmer & Scheffczyk kein Geheimnis.

Den Arbeitsvertrag verschickt Lars Vollmer, der Chef der Unternehmensberatung Vollmer & Scheffczyk in Hannover, blanko. Wie viel ein neuer Mitarbeiter im Jahr verdient, trägt dann er oder sie darin selbst ein.

Bevor es so weit ist, hat ein Stellenbewerber im Vorstellungsgespräch überzeugt, Einblick in die Geschäftszahlen und anonymisiert auch in die Gehälter der rund 20 Kollegen sowie in ihre Tätigkeits- und Qualifikationsprofile genommen. So sieht er, was das Unternehmen überhaupt leisten kann.

Seinen eigenen Marktwert kennt der künftige Mitarbeiter ebenfalls, und in Gesprächen mit mindestens zwei oder drei der künftigen Kollegen muss er dann seine Gehaltsvorstellung offen diskutieren. Wer die jeweils Konsultierten sind, wird für alle Mitarbeiter veröffentlicht. Dabei geht es für den Neuzugang darum, sich in das bestehende Gehaltsgefüge einzureihen.

Dadurch, dass es bei der Unternehmensberatung Vollmer & Scheffczyk keine Geheimniskrämerei in Sachen Gehalt gibt und den Zwang zur Kollegen-Konsultation, ist „der soziale Druck so groß, dass Ausreißer nicht vorkommen“, beobachtet der Gründer.

Das war allerdings nicht immer so. 1999 bei der Firmengründung setzte der Ingenieur noch auf das klassische Bonussystem als Leistungsanreiz für seine Mitarbeiter. Die Gehälter offenzulegen stieß zunächst auf Widerstand. Aber außer dem Einwand „Das macht man nicht“ gab es kein stichhaltiges Gegenargument.

Also beschlossen alle miteinander, es mit der Transparenz zu probieren. Als bei einer der ebenfalls selbstverordneten Gehaltserhöhungen eine Führungskraft zu üppig zulangen wollte, widersprach eine Kollegin. „Damit hat sie Verantwortung übernommen. Genau solch ein Verhalten möchte ich haben“, sagt Chef Vollmer. HB

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