Wirtschaft : Unruhe bei Berliner Elektro

BERLIN (chi).Die Hauptversammlung der Berliner Elektro Holding am 14.Juli droht stürmisch zu werden.In Aktionärskreisen wurde am Mittwoch ein Bericht der "Berliner Morgenpost" bestätigt, wonach der Firmengründer und langjährige Vorstandschef, Manfred Bernau, Pläne hegt, die Wiederwahl von zwei Aufsichtsratsmitgliedern zu verhindern und statt dessen eigene Vertrauensleute in den Aufsichtsrat zu hieven.Bernau, der bei der letzten Hauptversammlung seinen Aufsichtsratsposten aufgeben mußte, aber mit seiner Familie weiterhin größter privater Anteilseigner des Unternehmens ist, hat, wie der Tagesspiegel erfuhr, bei anderen Anteilseignern vorgefühlt, ob diese ihn unterstützen würden.

Vorstandschef Reinhold C.Heibel wollte zu den "Gerüchten" nicht weiter Stellung nehmen.Eine offizielle Anmeldung eines Gegenantrages durch Manfred Bernau, die innerhalb der vorgegebenen Frist hätte eingereicht werden müssen, läge nicht vor.Jedem Aktionär stünde es aber offen, sich im Rahmen der Generaldebatte zu Wort zu melden und einen Gegenantrag zu stellen.Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herbert Welling, sagte allerdings, daß "nicht auszuschließen sei, daß auf der Hauptversammlung Gegenanträge zur Wiederwahl der Aufsichtsräte gestellt werden".Zur Wiederwahl stehen neben Bernaus Sohn Maximilian, der 1997 anstelle seines Vaters in den Aufsichtsrat rückte, die beiden langjährigen Mitglieder Detlev von Garnier, zugleich auch stellvertrender Vorsitzender des Aufsichtsrates, sowie Frank Stangenberg-Haverkamp.

In Aktionärskreisen lösten die Absichten von Bernau keine Überraschung aus.Seine Abwahl 1997, vor allem aber die Absetzung als Aufsichtsratsvorsitzender Anfang des Jahres, hatten den Firmengründer tief verletzt.Erst Mitte 1996 hatte Bernau den Vorstandsvorsitz des damals tief in die roten Zahlen geschlitterten Unternehmens an Finanzvorstand Reinhold Heibel, der von der Deutschen Bank gekommen war, übergeben und war in den Aufsichtsrat gewechselt.Heibel hat das Unternehmen in kurzer Zeit saniert.Der Aktienkurs, der Ende 1997 auf unter 30 DM gerutscht war, liegt derzeit wieder über 40 DM.

Bernaus Chancen, Veränderungen im Aufsichtsrat durchzusetzen, werden unterschiedlich bewertet.Er selbst verfügt offiziell über weniger als fünf Prozent der Aktien, gemeinsam mit Familienmitgliedern aber sind es zwischen 25 und 30 Prozent.Aufsichtsratschef Welling sagte lediglich: "Es wäre zu wünschen, daß die positive Unternehmensführung durch den jetzigen Vorstand mit einer konstruktiven Zusammenarbeit des Aufsichtrates erhalten bliebe."

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