Wirtschaft : "Unsere Rentabilität im Filialnetz wird steigen" - Die Reaktion der Sparkassen (Interview)

Deutsche,Dresdner Bank werden sich aus dem Mas

Gustav Adolf Schröder ist Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Köln. Mit ihm sprach Nicole Walter.

Deutsche und Dresdner Bank werden sich aus dem Massen-Geschäft zurückziehen, auf der anderen Seite entsteht mit der Gruppe Allianz, Bank 24 und DWS ein Konkurrent neuer Qualität. Wie reagieren die Sparkassen darauf?

Für uns bringt das Chancen und Risiken. Die große Chance ist es, verunsicherte Kunden zu uns herüberzuziehen. Damit können wir unser Filialnetz besser auslasten, die Rentabilität steigt. Das Risiko liegt vor allem im Internet-Banking. Die Deutsche Bank hat bereits massive Investitionen angekündigt, die sich jetzt auf deutlich mehr Kunden verteilen. Wenn wir in den nächsten Wochen nicht reagieren, fährt der Zug ohne uns ab.

Pläne für eine gemeinsame Internet-Bank der Sparkassen gibt es zwar seit einer gewissen Zeit, aber noch keine konkreten Beschlüsse für die Markteinführung. Setzt die geplante Fusion der Großbanken die Sparkassen jetzt in Zugzwang?

Die Fusion wird unsere Diskussionen sicher beschleunigen. Ich rechne damit, dass wir Ende März / Anfang April den Beschluss fassen und Mitte April mit der Umsetzung beginnen.

Was haben Sie konkret vor?

Ich halte eine dreigleisige Strategie für sinnvoll: Erstens, die Produkt- und Softwareentwicklung für das Internet-Banking zu zentralisieren, zweitens einen zentralen Broker zu gründen und drittens eine Internet-Bank nach dem Vorbild Deutsche Bank und Mannesmann zu schaffen.

Deutsche und Dresdner Bank haben bereits ein großes Netz mit renommierten Kooperationspartnern geknüpft, unter anderen AOL und SAP. Wie wollen die Sparkassen diesen Vorsprung aufholen?

Wir sprechen zurzeit noch nicht mit möglichen Kooperationspartnern. Aber sobald wir die notwendigen Beschlüsse gefasst haben, werden wir Gespräche mit Telefonanbietern, Internet-Portalen oder anderen möglichen Kooperationspartnern führen. Als Marktführer im Privatkundengeschäft gehen wir davon aus, dort auf großes Interesse zu stoßen.

Welche Veränderungen erwarten Sie im Firmenkundengeschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Das ist für die Sparkassen das Brot- und Butter-Geschäft. Hier steigen unsere Chancen. Viele Unternehmen haben noch zwei bis drei Bankverbindungen, durch die Fusion wird sich das reduzieren. Wir geben uns große Mühe, bei Firmen, bei denen wir nur die zweite oder dritte Bankverbindung sind, an die erste Stelle zu rücken.

Wie verändert die Fusion die Kosten und Erträge der Sparkassen?

Die Erträge pro Mitarbeiter im Filialnetz werden steigen, wenn wir unsere Kundenbasis erweitern können. Dem stehen jedoch hohe Investitionen in das Internet-Banking gegenüber. Ich rechne mit 200 bis 300 Millionen Mark.

Muss es im Sparkassensektor weitere Fusionen oder Rechtsformänderungen geben, auch vor dem Hintergrund der EU-Untersuchungen?

Einige Sparkassenvorstände werden es wohl jetzt als notwendig ansehen, in andere Größenordnungen vorzustoßen. Grundsätzlich sehe ich aber keinen Handlungsbedarf. Die Eigenkapitalquote der Sparkassen ist gut. Wenn wir gute zentrale Einrichtungen, etwa für das Internet-Banking, schaffen, reduzieren wir die Kosten und Fusionen können sich erübrigen.

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