• "Unseriöse Anbieter nutzen die Ängste der Menschen aus" Interview mit dem Anlageexperte der Verbraucher-Zentrale Berlin

Wirtschaft : "Unseriöse Anbieter nutzen die Ängste der Menschen aus" Interview mit dem Anlageexperte der Verbraucher-Zentrale Berlin

Warum verpuffen Ihre Warnungen? Ist den Anlegern n

Den Schaden, den unseriöse Anlageberater in Deutschland jedes Jahr anrichten, schätzen Experten auf 40 bis 60 Mrd. DM. Obwohl nicht nur die Aufsichtsbehörde - das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen - und Verbraucherschützer seit Jahren vor windigen Finanzdienstleistern warnen, laufen deren Geschäfte nach wie vor gut. Über die Gründe sprach Heike Jahberg mit dem Anlageexperten der Verbraucher-Zentrale Berlin, Peter Lischke.

Warum verpuffen Ihre Warnungen? Ist den Anlegern nicht zu helfen?

Es gibt mehrere Gründe, warum immer wieder Anleger auf solche Firmen hereinfallen. Zum einen liegt es an der Unwissenheit vieler Verbraucher in Gelddingen - und zwar unabhängig von Beruf und Bildung. Der zweite Grund ist die erhebliche Verunsicherung breiter Teile der Bevölkerung, was die Altersvorsorge, die Sicherheit der Renten und die Stabilität des Euro angeht. Unseriöse Anbieter nutzen solche Ängste und Unsicherheiten aus.

Die unseriösen Anlagehaie spielen mit den Ängsten der Leute?

Ja. Sie arbeiten mit Slogans wie "Wir haben eine Anlage für Ihre Altersvorsorge" oder "Retten Sie Ihr Geld vor dem Euro". Aber das ist noch nicht alles. Hinzu kommt, dass die Zinsen derzeit im Keller sind. Bei sicherheitsbetonten Geldanlagen ist derzeit keine vernünftige Rendite zu holen.

Sind per se alle Angebote, die zweistellige Renditen versprechen, unseriös?

Ja. Man muss zwar immer unterscheiden, um welche Art der Geldanlage es geht. Aber wenn bei Beteiligungsangeboten - und diese machen den Löwenanteil auf dem grauen Kapitalmarkt aus - bei länger laufenden Verträgen mit Renditen geworben wird, die erheblich über dem Marktzins liegen, sollte man vorsichtig sein.

Sind die Anleger nicht auch selber schuld?

Wissen Sie, betroffen sind nicht nur die Leute, denen das berühmte Dollarzeichen in den Augen steht. Das muss man schon differenzierter sehen. Aber natürlich kommen viele Menschen in unsere Beratung und fragen: "Haben Sie nicht noch einen Hochprozenter, den Sie uns anbieten können?" Schließlich gibt es noch einen vierten Grund, warum so viele Menschen auf unseriöse Anbieter hereinfallen. Die Geldanlagen werden ihnen oft über Freunde, Bekannte und Verwandte verkauft. Gegenüber diesen Menschen hat man kein Misstrauen. Hier paaren sich die Unwissenheit und die Sorge mit der Vertrauensseligkeit.

Von welchen Geschäften sollte man die Finger lassen?

Von Bankgarantiegeschäften. Einen Handel mit Bankgarantien gibt es nicht, solche Angebote sind immer unseriös. Dasselbe gilt für den Kauf von Diamanten als Geldanlage. Problematisch sind auch atypisch stille Beteiligungen an Unternehmen, die ebenfalls nicht der staatlichen Aufsicht unterliegen. Hier werden Sie stiller Gesellschafter an einem Unternehmen, und es steht Ihnen sogar eine steuerliche Verlustzuweisung zu. Viele Verbraucher glauben jetzt: Wenn der Staat diese Anlage noch steuerlich honoriert, kann das gar nicht falsch sein. Dabei sind solche Geschäfte hochriskant.

Seit einem Jahr unterliegen einige Finanzgeschäfte der Kontrolle durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Sind diese Geldanlagen seriöser?

Nicht unbedingt. Nehmen Sie die Angebote von Warenterminhändlern. Die unterliegen jetzt der Kontrolle durch das Amt. Dennoch sollten Sie unbedingt die Hände von solchen Geschäften lassen, vor allem dann, wenn Ihnen diese Anlage per Telefon angeboten wird. Außerdem ist es so, dass das Amt die Firmen zunächst nur registriert. Viele Anbieter versuchen - rechtswidrigerweise -, daraus Kapital zu schlagen und mit der Registrierung zu werben.

Was können die Anleger tun, die hereingefallen sind?

Sie sollten sich bei der Verbraucher-Zentrale informieren, Strafanzeige erstatten und überlegen, ob sie mit Hilfe eines Anwalts gegen das Unternehmen vorgehen können. Handeln sollte man auf jeden Fall so schnell wie möglich.

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