Wirtschaft : Unter die Hornhaut

Augenoperationen per Laser sind in Mode – aber noch kaum erforscht

Deike Diening

Wenige Minuten nur hat der Eingriff gedauert. Er ist ambulant, schmerzfrei, kostet bis etwa 4000 Euro für beide Augen und verspricht, dass die Fehlsichtigen hinterher weder Brille noch Kontaktlinsen benötigen. Ein paar Tage später können die meisten schon wieder arbeiten. Weltweit werden mehr als drei Millionen chirurgische Augeneingriffe im Jahr vorgenommen – mit steigender Tendenz. Die Aufforderung, sich mittels Laser-Operation der Brille zu entledigen, hängt zum Beispiel inzwischen in fast jedem U-Bahn-Wagen Berlins. Am häufigsten wird hierzu mittlerweile die so genannte Lasik-Methode angewandt.

Im Idealfall wird das Problem für immer erledigt: Ein computergesteuerter Hobel schneidet die Hornhaut des Auges an und klappt sie wie einen Deckel auf. Darunter schleift der Kaltlichtlaser die tiefer liegenden Hornhautschichten ab. Wenn der Deckel danach auf das korrigierte Auge zurückgeklappt wird, hat sich je nach Menge der abgeschliffenen Hornhaut die Brechkraft des Auges verändert. Klarsicht für immer.

Je niedriger die Fehlsichtigkeit ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man nach der Operation tatsächlich gar keine Brille oder Linse mehr braucht. Wessen Kurzsichtigkeit -10 Dioptrien oder Weitsichtigkeit 5 Dioptrien nicht übersteigt, und wer nicht mehr als drei Dioptrien Hornhautverkrümmung aufweist, kann behandelt werden. Die Sehschwäche sollte allerdings stabil sein. Häufig, sagt Manuela Keuch, Fachärztin für Augenheilkunde in der Augenklinik am Sony-Center, schicke sie auch Menschen nach Hause. Solche, deren Hornhaut zu dünn ist, deren Werte sich in den letzten Jahren noch erheblich verändert haben, und die, deren Pupille zu groß ist. Sie werden leicht geblendet. 3950 Euro kostet die Operation für beide Augen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Dass man nachher tatsächlich keine Brille mehr braucht, kann aber niemand garantieren. Vor allem die Nachtsicht kann eingeschränkt sein. In etwa 18 Prozent der Fälle sind deshalb Nachoperationen notwendig. Auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) weist darauf hin, dass noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen. Die Lufthansa beschäftigt deshalb keine Piloten, die eine solche Operation hatten.

Auf eins sollten potenzielle Patienten in jedem Fall achten: Wenn man den Eindruck hat, das Beratungsgespräch verlaufe wie ein Verkaufsgespräch, sollte man die Finger davon lassen.

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