Wirtschaft : Unter Zeitdruck

Ministerin Ulla Schmidt will die „technische Lösungsarchitektur“ für die Gesundheitskarte vorstellen

Cordula Eubel

Bis zum 14. März soll das Gerüst für die elektronische Gesundheitskarte stehen. Dann will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die „technische Lösungsarchitektur“ für die Karte vorstellen: Software, Hardware und ein verpflichtendes Profil der Anforderungen. Die Vorarbeiten laufen derzeit unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft auf Hochtouren. Doch aus dem Fraunhofer-Team, an dem 120 Mitarbeiter aus Ministerium, Industrie und der Gesundheits-Selbstverwaltung beteiligt sind, werden Klagen laut, dass derzeit noch etwa 60 Prozent der notwendigen Vorarbeiten fehlen. „Der Zeitverlust kann nicht mehr eingeholt werden“, kritisiert einer der Beteiligten. Weil erst in den vergangenen drei Wochen intensiv an dem Forschungsprojekt gearbeitet worden sei, das vor Weihnachten gestartet wurde, werde man vermutlich erst Ende April und nicht Mitte März die Vorarbeiten abschließen.

Wegen zahlreicher Verzögerungen in den vergangenen Monaten – vor allem wegen Streitigkeiten von Ärzten, Apothekern und Kassen – wird der Zeitplan für den Start der Gesundheitskarte immer enger. Ursprünglich sollten alle gesetzlich und privat Versicherten die Karte schon 2006 in den Händen halten. Von einem frühen Start erhoffen Politik und Industrie sich Exportchancen in andere europäische Länder. Wenn das Projekt erst einmal funktioniert, ist es eine technische Hochleistung: 82 Millionen Versicherte erhalten die Chipkarte; rund 260 Krankenkassen werden mit 180 000 Arztpraxen, 22 000 Apotheken und 2000 Krankenhäusern vernetzt.

Der aktuelle Zeitplan des Ministeriums sieht für Dezember 2005 den Gang in die Fläche vor: Dann sollen die Länder Tests mit 100 000 Versicherten starten. Im Laufe des Jahres 2006 werde die Karte in Deutschland verbreitet, heißt es inzwischen im Ministerium. Die Gesundheitskarte ermöglicht elektronische Rezepte, außerdem können medizinische Daten gespeichert werden. Langfristig ist eine elektronische Patientenakte das Ziel. „Dadurch lassen sich enorme Einsparungen erzielen“, sagt der Experte des Branchenverbands Bitkom, Pablo Mentzinis.

Im „Public Sector Parc“ werden außerdem Projekte vorgestellt, wie mit IT-Lösungen die öffentliche Verwaltung modernisiert werden kann. Schirmherr für den Bereich ist Innenminister Otto Schily (SPD).

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