• Unternehmen: Ausbildungslücke kleiner als gedacht Institut der deutschen Wirtschaft präsentiert Frühjahrsumfrage

Wirtschaft : Unternehmen: Ausbildungslücke kleiner als gedacht Institut der deutschen Wirtschaft präsentiert Frühjahrsumfrage

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Berlin (chb). Im Herbst werden möglicherweise weniger Jugendliche ohne Ausbildungsplatz dastehen als die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) befürchtet. Zu diesem Ergebnis kam das unternehmensnahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln mit seiner traditionellen Frühjahrsumfrage, die es am Dienstag in Berlin vorstellte. Zwischen 20 000 und 30 000 Lehrstellen würden im September noch fehlen, hieß es. Diese Schätzung liegt zwar unterhalb der Prognose des BfA, das von einer Ausbildungslücke zwischen 60 000 und 70 000 Stellen ausgeht, aber sollte sich der vom IW berechnete Wert bewahrheiten, so wäre das immer noch der schlechteste Lehrstellenstand seit 1997. Damals errechnete das BfA im September ein Defizit von knapp 22 000 Plätzen. Gegenüber 2002 entspricht die IWSchätzung einem Stellenrückgang um rund vier Prozent.

Als Hauptursache für den Lehrstellenmangel nannte die Mehrheit der 900 im Mai befragten Unternehmen die schlechte Konjunktur. Dies deckt sich mit einer Beobachtung des IW, nach der neue Ausbildungsplätze erst geschaffen werden, wenn das Bruttoinlandsprodukt um mindestens zwei Prozent wächst. Ein Wachstum von 0,5 Prozent führe zu einem Rückgang von 26 000, Stagnation zu einem Minus von 33 000 Lehrstellen. Die Firmen beschwerten sich außerdem über die zu hohen Ausbildungkosten. Diese liegen im Handwerk derzeit bei jährlich 8000 Euro netto pro Lehrling. Ein Azubi in Industrie und Handel kostet 10 400 Euro.

Entsprechend fordert die Mehrheit der Firmen vom Staat mehr Belohnungen für ihr Ausbildungsengagement. Fleißige Lehrbetriebe sollten geringere Steuern zahlen und günstigere Kredite erhalten. Zudem müsse man die tarifvertraglichen Übernahmepflichten abschaffen, weil durch sie Betriebe bestraft würden, die über Bedarf ausbilden. Eine Ausbildungsabgabe (siehe Lexikon) lehnen die meisten Unternehmen ab. Sie verzerre den Wettbewerb, führe zu mehr Bürokratie und bestrafe ungerechterweise Betriebe, die aufgrund mangelnder Nachfrage offene Lehrstellen nicht besetzen können.

Besorgt zeigten sich die Befragten über das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie. Laut IW sind rund 200 000 Jugendliche eines Jahrgangs potenziell nicht ausbildungsreif. Die Unternehmen forderten daher eine bessere Ausstattung der Schulen mit Lehrmaterialien und Personal, sowie eine stärkere Orientierung an der beruflichen Praxis.

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