Unternehmen : BASF legt 80 Anlagen still

Konzern drosselt wegen der Finanz- und Autokrise vorübergehend die Produktion. Auch das Berliner Umland ist betroffen.

Kevin Hoffmann
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Kontrollblick. Ein BASF-Mitarbeiter überprüft eine Fertigungsanlage für Pflanzenschutzmittel in Schwarzheide. Foto: ddp

BerlinErst die Banken, dann die Autoindustrie, und jetzt trifft es auch die Chemiebranche. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will 80 Anlagen vorübergehend stilllegen und in 100 weiteren Anlagen die Produktion drosseln. „Wegen eines massiven Nachfragerückgangs ergreift die BASF Maßnahmen, um entstehende Überkapazitäten zu vermeiden“, teilte die Zentrale in Ludwigshafen am Rhein am Mittwoch mit.

„Schon Ende Oktober haben wir auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld hingewiesen. Seitdem hat sich die Nachfrage unserer Kunden in den wichtigen Märkten nochmals deutlich verschlechtert“, sagte Konzernchef Jürgen Hambrecht. „Besonders Kunden aus der Automobilindustrie haben bereits erteilte Aufträge kurzfristig storniert.“ Die BASF richte sich auf harte Zeiten ein, sagte er.

Der Konzern mit 58 Milliarden Euro Jahresumsatz (2007) beschäftigt rund 95 000 Menschen in 170 Ländern – also praktisch überall auf der Welt. Rund 20 000 Mitarbeiter sind von der Drosselung der Produktion betroffen, vor allem BASF-Betriebe, die für die Abnehmerbranchen Automobil, Bau und Textil produzieren.

Darunter fällt auch der mit einer Milliarde Euro Umsatz größte ostdeutsche Standort im brandenburgischen Schwarzheide, wo insgesamt 20 Produktionsanlagen versammelt sind. Vier davon, die vornehmlich für die Autoindustrie fertigen, machen Pause, darunter Betriebe für Lacke auf Wasserbasis und technische Kunststoffe, wie sie etwa für Ansaugstutzen gebraucht werden. „Es wird keine Kurzarbeit geben, wir nutzen die flexiblen Arbeitszeitmodelle – die Mitarbeiter bummeln Überstunden ab, Urlaub wird vorgezogen“, sagte Unternehmenssprecher Arne Petersen dem Tagesspiegel.

Anlagen, die sonst sieben Tage im 24-Stunden-Betrieb laufen, sollen zunächst auf fünf Arbeitstage reduziert werden – allerdings nicht unter Volllast. So wird bei Produktionsanlagen, die über drei separate Taktstraßen verfügen, eine aus dem Betrieb genommen. Insgesamt arbeiten bei der BASF in Schwarzheide 2000 Mitarbeiter – davon 900 in der Produktion. Von den Maßnahmen betroffen sind derzeit 200. BASF hatte 2005 auch in Berlin ein Servicecenter für Europa eingerichtet und noch im April dieses Jahres mitgeteilt, dass man weitere Leute sucht. Rund 500 Leute sollten in der Oberbaumcity im Stadtteil Friedrichshain bis Ende 2008 arbeiten. Bisher scheint der Standort von den Plänen verschont zu bleiben.

Da der Konzern in Ludwigshafen zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen auch seine Gewinnprognose senkte, straften die Märkte die Aktie ab. Sie fiel am Mittwoch um 13,7 Prozent auf 21,96 Euro. BASF zog die Titel der Konkurrenz mit nach unten, der europäische Branchenindex verlor 7,7 Prozent.

Auch die US-Konzerne Du Pont und Celanese sowie das niederländische Chemieunternehmen DSM hatten zuletzt wegen der Konjunkturabkühlung ihren Geschäftsausblick für 2008 zurückgenommen. Bisher schien es, dass die Branche kaum von der Krise betroffen ist. Ihre Hoffnung setzt sie auf Asien. „Asien ist und bleibt der Wachstumsmarkt für uns“, sagte BASF-Sprecherin Anna-Maria Diefenthal. Trotzdem würden auch die großen Verbundstandorte in China und Malaysia zeitweilig den Betrieb einstellen.

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