Unternehmen : DaimlerChrysler-Chef geht

Jürgen Schrempp verlässt überraschend den Stuttgarter Autokonzern. Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Unternehmens wird am 1. Januar 2006 vom bisherigen Chrysler-Chef Dieter Zetsche abgelöst.

Stuttgart (28.07.2005, 12:31 Uhr) - Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Schrempp (60) stand zehn Jahre an der Spitze des Autokonzerns. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung von bis zu zehn Prozent. Die ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen waren besser als erwartet. Die von der teuren smart-Sanierung belastete Mercedes- Gruppe konnte früher als von Experten angenommen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Aufsichtsratschef Hilmar Kopper erklärte, dass Schrempp und das Kontrollgremium sich einig seien, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen sei. Die Beschlüsse seien im Aufsichtsrat einstimmig gefasst worden. «Die Bilanz des Konzerns ist gesund und die Cash-Flow-Entwicklung stabil. Die Ergebnisprognose des DaimlerChrysler-Konzerns für dieses Jahr steht. Mit deutlichen Ergebnisverbesserungen ist ab dem Jahr 2006 zu rechnen», betonte Kopper. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef werde seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender wie geplant bis April 2007 erfüllen, hieß es in Kreisen. Der Aufsichtsrats-Vizechef und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm würdigte Schrempp als geradlinig und verlässlich. Er habe sich stets zur Mitbestimmung bekannt.

Neuer Chrysler-Chef wird wieder ein Amerikaner, der bisherige zweite Mann bei dem amerikanischen Autobauer, Tom LaSorda (51). Er ist bereits Mitglied im DaimlerChrysler-Vorstand. Die neue amerikanische Führungsspitze bei der wiedererstarkten Chrysler-Group wird komplettiert mit dem neuen Vize-Chef Eric Ridenour (47), der auch Vorstandsrang im Konzern erhält.

Schrempps Schritt kam sehr überraschend. Der Manager selber schrieb in einem Brief, dass es gelungen sei, nach sorgfältiger Vorbereitung die Meldung über seinen Rückzug ohne vorherige öffentliche Diskussion bekannt zu geben. «Es sind andere interessante Aufgaben, die auf mich warten», erklärte er. Schrempp werde weder in den Aufsichtsrat des Unternehmens rücken noch einen Beratervertrag bekommen, hieß es in Kreisen. Als Mitfavorit auf den Schrempp-Posten hatte auch Mercedes-Chef Eckhard Cordes gegolten. Dieser habe auf die Nachricht von der Berufung «professionell» reagiert, hieß es.

Branchenbeobachter hatte eher damit gerechnet, dass Der Vorstandschef im Jahr 2007 ausscheiden könnte. Der Vertrag von Schrempp läuft noch bis April 2008. Auf eine Auszahlung des Restvertrages wolle Schrempp verzichten, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Schrempp wird von Analysten und Aktionären seit Jahren wegen seiner Strategie der «Welt-AG» kritisiert. Ihm wurden unter anderem der misslungene Einstieg beim maroden japanischen Autokonzern Mitsubishi angelastet. Umgekehrt gilt der Aufbau des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS als sein Meisterstück. Auch der lange kritisierte Zusammenschluss mit Chrysler im Jahr 1998 hat sich inzwischen zum Positiven gewendet.

Der Autokonzern legte überraschend gute Zahlen für das zweite Quartal vor. Der operative Gewinn ging zwar wegen der milliardenteuren Sanierung bei smart um 20 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, lag damit aber deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die Mercedes Car Group, zu der smart gehört, erreichte mit einem operativen Ergebnis von 12 Millionen Euro früher als erwartet wieder schwarze Zahlen. Im ersten Quartal hatte es noch einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro gegeben. Der Grund waren die 1,2 Milliarden Euro Sanierungskosten für smart und ein hoher dreistelliger Millionenbetrag für die Qualitätsverbesserung.

Der Konzern bestätigte seine Prognose, wonach er ohne die Belastung aus der smart-Sanierung ein höheres operatives Ergebnis als 2004 (5,8 Mrd Euro) erreichen würde.

Der Konzernüberschuss erreichte von April bis Juni 737 (577) Millionen Euro, hier hatten die Experten 559 Millionen Euro erwartet. Der Umsatz des viertgrößten Autobauers der Welt legte leicht von 37,07 auf 38,42 Milliarden Euro zu. Die Mercedes Car Group (Mercedes- Benz, smart, Maybach) schaffte nach dem schlechten ersten Quartal wieder knapp den Sprung in die schwarzen Zahlen. Der Gewinn lag bei 12 Millionen Euro und übertraf die Prognose von minus 140 Millionen Euro deutlich. Die wichtigste Konzernsparte hatte im ersten Quartal noch fast eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Der Umsatz erreichte zwischen April und Juni 12,47 (12,97) Milliarden Euro.

Der US-Autobauer Chrysler, der sich derzeit einen harten Rabattkampf mit General Motors und Ford liefert, erreichte überraschend einen Gewinnanstieg von 521 auf 544 Millionen Euro (Prognose 400 Mio). Der Umsatz lag bei 13,03 (13,20) Milliarden Euro. Das Nutzfahrzeuggeschäft wies ein deutliches Gewinnplus von 468 auf 524 Millionen Euro aus. (tso)

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