Wirtschaft : Unternehmen mit einem Umsatz von 200 Millionen Mark gelten inzwischen als Übernahmekandidaten

Vanessa Liertz

Ob auf den Champs-Elysées in Paris oder auf der "Kö" in Düsseldorf: Wer dort ein Modegeschäft von Prada oder Gucci betritt, den verschüchtert meist schon das Inventar aus Marmor oder Gold - ganz zu schweigen von den Preisen. Deswegen ist der Laden auch meistens leer. Das allerdings dürfte den Betreibern von Prada oder Gucci egal sein. Sie geben Hunderttausende von Mark allein dafür aus, um mit ihren "Flag-Ship-Stores" an den Prachtstraßen dieser Welt präsent zu sein.

Das ist heute wichtiger denn je: Der Name bedeutet immer mehr in der Modebranche. Alles mögliche lassen sich die Mode-Macher einfallen, um mit bekannten Designer-Marken Geld zu machen. So versehen sie nicht nur Schuhe, Taschen und Parfüms mit Designer-Namen, sondern auch Füllfederhalter oder Waschlappen. Besonderen Erfolg mit diesem "Name-Dropping" hat der Mailänder Konzern "Prada". Mit Patrizio Bertelli an der Spitze steuert er in diesem Jahr auf einem Umsatz von knapp zwei Millliarden Mark zu - etwa drei Viertel davon machen die Accessoires aus. Das ist, wenn man wie die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter von einem Weltmarkt mit insgesamt 40 Milliarden Mark an Umsatz für Edel-Bekleidung ausgeht, schon ein beträchtlicher Anteil.

Größter Hersteller für Luxusgüter und Edel-Mode ist der französische Konzern Moet Hennessy Louis Vuitton (LVMH), dessen Umsatz im Jahre 1999 bei 16 Milliarden Mark liegen dürfte. Doch der neue Stil liegt nicht jedem. Die Modemacherin Jil Sander hat sich davon - und damit von ihrer eigenen Marke - verabschiedet. Die Herbst- und Winterkollektion 2000 soll ihre letzte sein. Dann entscheidet "Prada" darüber, was unter dem Namen "Jil Sander" im Schaufenster hängt. Erst im Spätsommer hatte die Hamburgerin das Unternehmen an "Prada" verkauft - auch mit der Absicht, sich nun ungestört dem Design widmen zu können. Daraus wurde nichts. Denn Jil Sander und Bertelli haben einen anderen Stil. Jil Sander ging es darum, ihren Namen zu nutzen, um Mode in ihrem Stil zu kaufen. Bertelli dagegen wollte mit dem Namen in erster Linie Geld machen.

Auf ihre Weise hat die "Queen of Less" (US-Zeitschrift Vanity Fair) dabei durchaus Geschäftssinn bewiesen. Schließlich machte Jil Sander Gewinn - bei einem Umsatz von rund 214 Millionen Mark verdiente sie rund 12,7 Millionen Mark. Reich ist sie ohnehin: Allein mit dem Börsengang ihres Unternehmens wanderten rund 80 Millionen Mark auf das Konto von Jil Sander selbst.

Doch ein Umsatz von dieser Größenordnung ist nach Meinung von Petra Horn, Branchenanalystin bei Salomon Oppenheim, zu klein. "Unternehmen mit Umsätzen von 100 und 200 Millionen Mark sind auch in dieser Branche potentielle Übernahmekandidaten." Die Großen der Branche, LVMH, Prada oder Gucci, sind weltweit auf Einkaufstour, auf der Suche nach Namen, mit denen sie Geld machen können. In ein paar Jahren, prophezeien Analysten, wird bei jeder Designermarke ein großer Konzern die Fäden in der Hand halten.

"Sie müssen heute in New York wie in Tokio präsent sein", sagt der Chef der Düsseldorfer IGEDO-Messegesellschaft, Manfred Kronen. Schon alleine deswegen, weil sich das Geschäft sonst nicht lohnt. Nach Schätzungen der Fachzeitschrift für Textilwirtschaft teilen sich die Edel-Designer in Deutschland höchstens fünf Prozent des Textilmarktes, also grob gerechnet rund fünf Milliarden Mark. Im Wettstreit um die zahlenden Kunden hat LVMH dafür gesorgt, dass es in der Welt kaum noch einen Flughafen gibt, wo nicht ein Laden mit den Kleidern, Taschen und Düften des Luxuskonzerns den Passagier kurz vor dem Abflug noch zu verführen wucht.

Auch um Versace kursieren Spekulationsgerüchte, seit der Gründer und Designer Gianni Versace in einem Unfall ums Leben kam. Vor kurzem musste Giannis Schwester Donatella den Flag-Ship-Store an der Mailänder Prachtstraße für 30 Millionen Mark an LVMH verkaufen. Gut möglich, dass in dem LVMH-Laden bald wieder Kleider von Versace hängen werden.

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