Wirtschaft : Unternehmen rechnen nicht mit einer Rezession DIHK bleibt bei Prognose/Guter Start ins Jahr

Bernd Hops,Rolf Obertreis

Berlin/Frankfurt am Main - Die deutschen Unternehmen erwarten nicht, dass die Konjunktur trotz des schwachen vierten Quartals 2004 wieder in eine Rezession (siehe Lexikon) rutscht. Die Firmen rechnen insbesondere mit einer Verbesserung bei der Inlandsnachfrage. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sagte bei der Vorstellung der Februar-Konjunkturumfrage am Mittwoch in Berlin: „Erstmals seit vier Jahren belebt sich die Binnenwirtschaft wieder etwas.“ Sie gleiche das schwächere Wachstum beim Export aus. Der DIHK bleibe bei seiner Konjunkturprognose, wonach die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 Prozent wachsen werde.

„Wir bleiben allerdings vom Auslandsgeschäft abhängig“, sagte Wansleben. Gute Aussichten für den Arbeitsmarkt konnte er ebenfalls nicht geben: 27 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Beschäftigungsabbau, nur elf Prozent mit zusätzlichen Einstellungen.

Ähnlich verhalten fiel auch die Einschätzung beim deutschen Maschinenbau aus. Der hat 2004 mit einem Volumen von 136 Milliarden Euro zwar so viel produziert wie nie zuvor. In diesem Jahr soll der Rekord sogar erneut gebrochen werden, wie Branchenverbands-Präsident Dieter Brucklacher am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt betonte. Allerdings rechnet er 2005 mit einer „zyklischen“ Wachstumsdelle und einem Rückgang des Produktionszuwachses auf drei Prozent. 2004 hatten die Maschinenbauer die Produktion real um 5,2 Prozent gesteigert, so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Neue Arbeitsplätze sind trotz der sehr guten Geschäftslage auch im Maschinenbau nicht entstanden. Im Gegenteil: 9000 Stellen wurden 2004 gestrichen, Ende des Jahres wurden noch 865000 Mitarbeiter beschäftigt. In diesem Jahr könne der Trend unter Umständen wieder umgekehrt werden. Aber mehr als ein halbes Prozent zusätzlicher Jobs sei nicht zu erwarten, schätzt der Maschinenbauverband.

Außerdem gibt es wachsende Sorgen vor einer Rezession. Zuletzt hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft angesichts des überraschenden Minus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im letzten Vierteljahr 2004 geurteilt, eine Rezession sei nicht mehr auszuschließen. Ähnlich sieht es auch in Japan aus. Das Land verzeichnete zwei Quartale in Folge ein schrumpfendes BIP, wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte. Japan hat wie Deutschland vor allem über einen wachsenden Export von der anziehenden Weltkonjunktur des vergangenen Jahres profitiert. Jetzt hofft man dort jedoch in der Folge auch auf eine Belebung der Inlandsnachfrage und höhere Konsumausgaben. Die gleichen Hoffnungen haben auch die deutschen Firmen in der DIHK-Umfrage. Vor allem der Optimismus im Handel ist gestiegen.

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