Wirtschaft : Unternehmen sind selten Vorbilder Sichere Jobs und Umwelt sind den Bürgern wichtig

Stuttgart - Was sollte die wichtigste Aufgabe für ein Unternehmen sein? Jobs schaffen und erhalten, sagen die Menschen in Deutschland und sind sich einig, dass Arbeitsplätze vor allem bei VW, Siemens und Daimler in guten Händen sind. An zweiter Stelle der dringlichsten Aufgaben steht der Umweltschutz – doch da will den Bürgern so recht kein Konzern mit Vorbildfunktion einfallen. Das sind die Ergebnisse einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young (E&Y). Ihr Ergebnis ist bemerkenswert angesichts der Anstrengungen, die deutsche Konzerne auf dem Sektor gesellschaftlicher Verantwortung unternehmen.

Die „weichen“ Faktoren auf Gebieten wie Umweltschutz, Moral und Anstand im Geschäftsleben oder Frauenförderung scheinen die Menschen entweder nicht genügend zu registrieren – oder sie nehmen den Firmen deren Bemühungen gar nicht erst ab. Beides ist problematisch, denn Wirtschaftskraft und gute Geschäftszahlen allein reichen im Wettbewerb heute nicht mehr aus. Das sagen auch die Beratungsexperten. Mark Smith, Partner bei Ernst&Young: „Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Leistungsfähigkeit nicht länger nur anhand von Gewinn- und Umsatzzahlen gemessen wird.“ Doch die Bemühungen auf diesen Feldern dringen nicht zum Bürger durch. Die Umfrageergebnisse dürften für viele Marketingabteilungen ein Dämpfer sein: So sagen zwar zwei von drei aller Befragten (68 Prozent), dass ihnen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Unternehmen sehr wichtig sind. Damit rangiert das Thema auf Platz zwei hinter Beschäftigungsentwicklung (73 Prozent) und vor Innovation (62 Prozent). Doch gut jedem Dritten (34 Prozent) fällt gar kein Konzern ein, der sich um die Umwelt verdient gemacht hätte. Mit einem relativ geringen Wert (zehn Prozent der Antworten) gewinnt VW diese Kategorie, gefolgt von Eon und Siemens. Daimler landet auf Platz sieben. „Das sollte uns beflügeln, in der Kommunikation noch besser zu werden“, sagte ein Sprecher. Bei BMW hieß es: „Das Ergebnis zum Thema Nachhaltigkeit zeigt, dass Werbung manchmal eher wahrgenommen wird als nachhaltiges Wirtschaften.“

Noch schlechter schneiden die großen Unternehmen bei den Themen sozialer Einsatz und Frauenförderung ab – kein Firmenname kommt auf zweistellige Werte. Bei der Frauenförderung weiß die Hälfte der Befragten keine vorzeigbare Firma. Die Telekom, die jüngst eine Frauenquote angekündigt hatte, führt in der Umfrage aber in dieser Kategorie. Dort sitzen künftig zwei Frauen im Vorstand, Claudia Nemat und Marion Schick. dpa

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