Wirtschaft : Unternehmen treiben Stellenabbau voran

Kaum Entlastung in Deutschland für April erwartet / In der Europäischen Union suchen 14 Millionen Menschen einen Job

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Düsseldorf (ari/noh/HB/Tsp). Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im April kaum entspannt. Es wird erwartet, dass die Bundesanstalt für Arbeit am Mittwoch knapp 4,5 Millionen Arbeitslose ausweisen wird. Einen Monat zuvor waren es 4,6 Millionen. Das war die höchste Zahl seit Antritt der rotgrünen Regierung.

Trotz leicht verbesserter Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung sind die Unternehmen in Europa weiterhin mit großem Eifer dabei, Kosten durch Reduzierung ihrer Belegschaften zu senken. Allein in der Euro-Zone summierten sich die Ankündigungen der Unternehmen im April auf rund 22 000 Stellenstreichungen, 8000 mehr als im März. Das geht aus der monatlichen Zusammenstellung der Investmentbank Credit Suisse First Boston hervor. Damit wurden seit April 2002 im Euro-Raum etwa ebenso viele Stellenstreichungen angekündigt wie in den zwölf Monaten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die monatlich aktualisierte Statistik beruht auf Meldungen in Presse und Nachrichtenagenturen. In Westeuropa insgesamt wurde im April ein Abbau von 38 000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Technologie- und Telekomunternehmen in Westeuropa traten im April mit 20000 angekündigten Stellenstreichungen verstärkt auf die Kostenbremse. In den vier Monaten davor hatten sie dagegen erstmals seit dem Platzen der New-Economy-Blase kaum noch Streichungspläne geprüft. Außerdem reagierten die Branchen Tourismus und Verkehr massiv auf die Belastungen durch den Virus Sars und den Irak-Krieg: Sie kündigten den Abbau von knapp 8000 Stellen an – so viel wie zuletzt Ende 2001.

Auch die offizielle Statistik gibt wenig Grund zur Hoffnung für den europäischen Arbeitsmarkt. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone im März gegenüber Februar um 0,1 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent gestiegen. In sechs der neun aktuell erfassten Länder verschärfte sich die Arbeitslosigkeit - darunter in Deutschland, Frankreich und Portugal. In Spanien, Irland und Finnland stagnierte die Arbeitslosigkeit, was auch dort für das Ausbleiben von Konjunkturimpulsen auf dem Arbeitsmarkt spricht.

Das Statistikamt Eurostat schätzt, dass im März in der Euro-Zone 12,2 Millionen und in der Europäischen Union insgesamt 14,1 Millionen Personen arbeitslos waren. Den Berechnungen liegt das Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu Grunde, das Ländervergleiche erlaubt. Nach ILO wird Arbeitslosigkeit strenger definiert als beispielsweise nach der nationalen Zählweise in Deutschland. Für Deutschland veröffentlicht die Bundesanstalt für Arbeit heute die April-Daten. Ohne Ausschaltung der für die Jahreszeit typischen Einflüsse rechnen Beobachter mit einem Rückgang in Monatsfrist um 100 000 bis 120 000. Das wäre die geringste April-Abnahme seit 1996.

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