Unternehmen : VW-Affäre: Peters greift Wulff an

In der VW-Korruptionsaffäre hat IG Metall- Chef Jürgen Peters scharfe Kritik an Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff geäußert. Versuche Wulffs, VW-Personalvorstand Peter Hartz (Foto) öffentlich zu beschädigen, seien "durchsichtig", sagte Peters am Montag in Frankfurt/Main.

Wolfsburg/Frankfurt/Main (04.07.2005, 15:52 Uhr) - Wulff hatte angesichts von Spekulationen über eine mögliche Verwicklung von Hartz in die Affäre gesagt, es gebe auch für den VW-Personalvorstand keinen «Persilschein».

Hartz - Mitverfasser der umstrittenen Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung - gilt zusammen mit dem vergangene Woche zurückgetretenen Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert als Garant für die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen Management und Gewerkschaft im VW- Konzern. Das CDU/FDP-regierte Land Niedersachsen ist größter Anteilseigner von VW, Wulff und Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) sitzen im Aufsichtsrat des Autobauers.

Peters - zugleich stellvertretender VW-Aufsichtsratsvorsitzender - sagte: «Wenn Herr Wulff über Erkenntnisse verfügt, die einen Angriff auf ein Vorstandsmitglied des Unternehmens rechtfertigen, dann ist es seine Pflicht, diese in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung auf den Tisch zu legen.» So entstehe jedoch der Eindruck, dass es Wulff nicht allein um Aufklärung gehe, sondern darum, das deutsche Mitbestimmungsmodell zu diskreditieren.

Nach Darstellung der Justiz könnte ein «Firmengeflecht» um den früheren Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster eine zentrale Rolle in der VW-Affäre spielen. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder, die Volkswagen beziehungsweise der tschechischen VW-Tochter Skoda zugestanden hätten, auf Konten der Firmen und auf Privatkonten gelandet seien, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, am Montag.

Zudem sollen Schuster sowie der zurückgetretene VW- Betriebsratschef Volkert nach Medienberichten über die Beteiligung an einem Unternehmen versucht haben, sich mit verdeckten Geschäften am VW-Konzern zu bereichern. Ferner soll Volkert eine persönliche Beziehung zu einer Brasilianerin unterhalten haben, die für VW gearbeitet haben und möglicherweise zu Unrecht Leistungen bezogen haben soll.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher gegen Schuster und einen weiteren früheren VW-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Der Autobauer hatte zwei Strafanzeigen gestellt. VW hatte die beiden Mitarbeiter Mitte Juni fristlos entlassen. VW wollte noch am Montag der Staatsanwaltschaft Unterlagen übergeben, um die vom Unternehmen gestellten Strafanzeigen zu «untermauern». Mitarbeiter der von VW eingeschalteten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hätten am Montag ihre Arbeit aufgenommen. Zu inhaltlichen Details und zur Dauer der laufenden Untersuchungen könne sich VW derzeit nicht äußern, hieß es.

Schuster soll Schmiergelder für die Autoproduktion von VW in Indien verlangt haben. Zudem soll Schuster über Strohmänner und Tarnfirmen mit seinem Arbeitgeber lukrative Verträge als VW- Generalimporteur für Indien und Angola abgeschlossen haben. Nach einem Bericht des «Handelsblatts» hat Konzernchef Pischetsrieder den geplanten Bau einer Autofabrik in Indien auf Eis gelegt, bis die Vorwürfe von Schmiergeldforderungen im Zuge des Neubaus völlig aufgeklärt sind. In Unternehmenskreisen wurde dies am Montag bestätigt. (tso)

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