Wirtschaft : Unternehmensberatung wirbt für ein neues Branchen-Image

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Die Prüfer sehen sich als Opfer krimineller Machenschaften - Bilanz nach schwierigem Jahrro

Kein Mandat verloren, das Vertrauen der Kunden erhalten - Harald Wiedmann, Vorstandssprecher der Unternehmensberatung KPMG zieht nach einem schwierigen Jahr ein erstaunlich positives Fazit. 1999 waren die KPMG-Wirtschaftsprüfer heftig in die Kritik geraten, weil sie die Bilanzen des beinahe in die Pleite gerutschten Baukonzerns Holzmann über Jahre hin als einwandfrei testiert hatten. Anfang des Jahres wiederholten sich diese Vorwürfe beim Zusammenbruch der Firmengruppe Flow Tex, wo KPMG ebenfalls für eine der wichtigsten Firmen der Gruppe als Wirtschaftsprüfer tätig war. Wiedmann hält die Vorhaltungen für ungerechtfertigt. Bei Holzmann habe man immer "sehr sorgfältig" geprüft. Bei Flow Tex sei KPMG genauso ein Opfer krimineller Machenschaften wie Banken und Leasingfirmen gewesen. "Im Übrigen sind Wirtschaftsprüfer keine Kreditversicherer", betonte Wiedmann am Montag bei der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt (Main).

Als Konsequenz aus den "öffentlich diskutierten Einzelfällen" hat sich KPMG gleichwohl nach den Worten des Vorstandssprechers zu einer bisher in Deutschland einzigartigen Maßnahme entschlossen. "Wir haben unsere Standards und Methoden offengelegt, um sie von einer anderen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüfen zu lassen." In diesem so genannten "Peer Review" werden Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young bis Herbst ihre Prüfungsmethoden und -standards und die Qualitätssicherung von KPMG genau analysieren und auf Schwächen abklopfen. "Damit ist die KPMG Schrittmacher für einen ganzen Berufsstand in Deutschland. Wir werden uns an die Spitze derer stellen, die das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer fördern wollen", betont Wiedmann.

Für mögliche Risiken aus den Fällen Holzmann und Flow Tex habe man keine besondere Vorsorge getroffen. Wiedmann hat auch keine Signale, dass die KPMG das Mandat bei Holzmann verliert. Angesichts der jüngsten Fälle fordern allerdings mehr und mehr Kunden eine verstärkte Haftung und eine mögliche Versicherung der Wirtschaftsprüfer dagegen. Die damit verbundenen höheren Versicherungsprämien leite die KPMG allerdings an ihre Kunden weiter, sagt Wiedmann.

Trotz der heftigen Kritik ist sich der KPMG-Vorstandssprecher sicher, dass auch in diesem Jahr wieder etliche Mandate gewonnen werden können. Dabei schielt die KPMG mehr und mehr auch auf Unternehmen am Neuen Markt. 1999 hatte die KPMG Deutschland den Umsatz um 17 Prozent auf 950 Millionen Euro gesteigert. Damit ist sie die drittgrößte Gesellschaft des weltweiten KPMG-Verbundes, der 1999 gut zwölf Milliarden Dollar umsetzte. Aufgrund der hohen Aufwendungen für Hard- und Software und für Altersteilzeit ging der Gewinn allerdings von 16,1 auf 13,1 Millionen Euro zurück. Die Zahl der Beschäftigen bei KPMG Deutschland ist im vergangenen Jahr um rund 1000 auf knapp 6900 gestiegen. Für das laufende Jahr rechnet Wiedmann mit einer ähnlichen Wachstumsrate wie im Vorjahr.

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